Alleinerziehende trainieren Alltag als berufstätige Mütter

Beate Schwartz (3.v.l.) vom Aktivcenter für Alleinerziehende berät junge Frauen, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden.
Beate Schwartz (3.v.l.) vom Aktivcenter für Alleinerziehende berät junge Frauen, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden.
Was wir bereits wissen
Die Aktivcenter der Awo EN unterstützen alleinerziehende Frauen beim Weg zurück in den Job. Lisa B. erzählt, wie das bei ihr geklappt hat.

Witten..  Mit 17 Jahren bekam Lisa B. ihren Sohn, mit 19 ihre Tochter. Der junge Vater verließ die Familie, Unterhalt konnte er nicht zahlen. Mutter und Kinder lebten von Hartz IV – begleitet von der Familienhilfe des Jugendamtes. Der nahtlose Übergang vom Teenager zur zweifachen Mutter aber hat Lisa B. völlig überfordert, ihr Haushalt versank im Chaos. Aber jetzt hat die 24-Jährige einen Plan, von dem sie sich nicht abbringen lassen will: „Ich fange eine Ausbildung im Einzelhandel an. Das ist meine letzte Chance und dafür muss ich Opfer bringen.“ Hilfe erfährt sie dabei von den Beraterinnen im Aktivcenter für Alleinerziehende.

Die junge Frau weiß genau, was auf sie zukommt: Morgens zeitig die Kinder für Schule und Kita vorbereiten, Haushalt, wechselnde Arbeitszeiten, Kinderbetreuung organisieren, Lernen für die Berufsschule. Aber Lisa B. ist sicher, dass sie das schafft. Denn im Aktivcenter, das die Arbeiterwohlfahrt Ennepe-Ruhr (Awo EN) im Auftrag des Jobcenters in Witten und Gevelsberg anbietet, hat sie das alles schon trainiert, ein ganzes Jahr lang. Hier werden alleinerziehende Frauen umfassend auf dem Weg in Arbeit und Ausbildung unterstützt.

„Fehlende Kinderbetreuung, Schulden, keine Schulabschlüsse, psychische Probleme, Gewalterfahrung – die Probleme, mit denen die Frauen zu uns kommen, sind vielfältig“, erklärt Beate Schwartz, Leiterin des Aktivcenters im Wittener Celestian-Haus am Rathausplatz. Die Diplompädagogin unterstützt jede einzelne Frau dabei, ihre individuellen Probleme anzugehen. Denn erst wenn die Frauen es schaffen, ihren Alltag mit teils mehreren Kindern zu organisieren und Lösungen für ihre Probleme gefunden haben, ist der Kopf frei, um sich mit der Frage auseinanderzusetzen, welche Arbeit oder welche Ausbildung die Familie von Hartz IV unabhängig machen kann.

Schon das Aktivcenter funktioniert wie ein Halbtagsarbeitsplatz. Es gibt feste Anfangs- und Endzeiten, einen Stundenplan und eine Aufgabenverteilung. Die jungen Frauen lernen mit dem Computer, schreiben Bewerbungen, befassen sich im Unterricht mit verschiedenen Berufsfeldern und schauen sich bei Exkursionen Arbeitsplätze an. Sie sammeln praktische Erfahrungen beim Werken und Kochen.

„Gemeinsam mit jeder einzelnen Teilnehmerin versuchen wir, ihre Stärken und Interessen zu ermitteln, um für sie eine berufliche Richtung zu finden, mit der sie zufrieden ist und wo sie erfolgreich sein kann“, unterstreicht Beate Schwartz. Sie vermittelt den Frauen Praktika, damit sie herausfinden können, ob der Berufswunsch wirklich passt. Gar nicht selten, so die Diplompädagogin, führen die Praktika direkt in den Beruf: „Wenn es im Praktikum gut läuft, bieten die Arbeitgeber manchmal direkt eine Anstellung oder sogar eine Ausbildung an.“

Mut machen

Auch Lisa B. hat so zu ihrer Ausbildung gefunden, die sie in Absprache mit dem Arbeitgeber sogar in Teilzeit absolvieren darf, damit der Spagat zwischen Beruf und Kindern auch wirklich funktionieren kann. „Ich wollte gerne mit Tieren arbeiten, vielleicht Pferdewirtin werden. Dann hatte ich auch mal über eine Lehre als Maler und Lackierer nachgedacht. Aber das Praktikum in einer Tierhandlung hat mir gut gefallen und da mache ich jetzt die Ausbildung“, freut sich die junge Mutter.

Dabei sei das Jahr im Aktivcenter nicht immer einfach gewesen. Regelmäßig und pünktlich zu kommen, das sei ihr schwergefallen. Aber die Mitarbeiterinnen im Aktivcenter hätten nicht locker gelassen, haben angerufen, wenn sie fehlte, haben Hausbesuche und vor allem und immer wieder Mut gemacht. Jetzt hat Lisa B. ihr Ziel fest vor Augen: „Ich muss die Ausbildung machen, um meinen Kindern zu zeigen, dass es sich lohnt, etwas zu lernen. Und um vom Hartz IV wegzukommen.“