Allein auf dem Weg von Witten ins Krisengebiet

Zülfü Altunok (3.v.r) fährt zum dritten Mal ins Krisengebiet Kobane. Am Tag vor seiner Abreise kamen viele Menschen, um sich zu verabschieden und eine gute Zeit zu wünschen.
Zülfü Altunok (3.v.r) fährt zum dritten Mal ins Krisengebiet Kobane. Am Tag vor seiner Abreise kamen viele Menschen, um sich zu verabschieden und eine gute Zeit zu wünschen.
Foto: Barbara Zabka
Was wir bereits wissen
Zülfü Altunok ist zum dritten Mal auf dem Weg nach Kobane an der türkisch-syrischen Grenze.Sein Auto ist vollgepackt mit Hilfsgütern.

Witten..  Der Weg nach Kobane ist lang und staubig. Beschwerliche 5000 Kilometer liegen vor Zülfü Altunok (55), der sich zum dritten Mal auf den Weg gemacht hat, um den Menschen in dem Krisengebiet an der türkisch-syrischen Grenze humanitäre Hilfe zu bringen.

Die Stadt wurde nach vielen, endlosen Kämpfen befreit. Die Terror des Islamischen Staats (IS) wurde vorerst gebannt. Doch die Stadt liegt in Trümmern. Und es fehlt am Notwendigsten. Grund genug für Altunok, vollzutanken und wieder loszufahren. Er hat Werkzeuge gesammelt – für den Wiederaufbau. „Die Menschen dort haben weder einen Hammer, noch einen Spaten noch eine Bohrmaschine“, erzählt er. „Alles liegt verschüttet unter Trümmerhaufen.“

Mit Hilfe und Sorgen nach Kobane

Gesammelt hat Altunok überwiegend als Einzelkämpfer. Unterstützt vom Solidaritätskreis Kobane. In seiner Garage war das Werkzeuglager. Jetzt hat er alles einer internationalen Organisation übergeben, die sich weltweit für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt kümmern will. Der Lkw – vollgepackt mit Werkzeugen aller Art und aus ganz Deutschland – wird im Juni Richtung Kurdistan aufbrechen.

Altunok fährt als Vorhut voraus. In seinem Privatwagen, der wieder einmal bis unters Dach mit Hilfsgütern vollgepackt ist. Und wie vorher auch schon – auf eigene Rechnung. Sorgen bereitet ihm die Frage, ob die türkischen Behörden ihn überhaupt passieren lassen. „Deutsche Nummernschilder sind da nicht unbedingt willkommen“, weiß er aus Erfahrung.

Knapp 10 000 Euro hat er im Handgepäck. Das Ergebnis eines Benefizkonzertes und privater Spenden. „Das Geld will ich persönlich vor Ort abliefern“, betont der engagierte Kurde. „Das habe ich versprochen. Und da gibt es für mich kein Zurück.“ Ein kleiner Teil der Spenden ist für die Menschen in Sengal im irakischen Kurdenland gedacht. „Die leben in den Bergen und haben nur noch ihr Leben. Vielleicht brauchen sie einen Brunnen oder einen Generator“, betont der 55-Jährige. Das will er vor Ort erkunden.

Spenden für Gesundheitszentrum

Der Großteil der Wittener Spenden soll allerdings in den Aufbau eines Gesundheitszentrums in Kobane fließen. Dieses Vorhaben wird von der Organisation „Solidarität International“ unterstützt. Sie schickt regelmäßig freiwillige Fachleute und Helfer ins Krisengebiet - junge, alte, engagierte und erfahrene Menschen.

Was ihn aber diesmal konkret erwartet, weiß Altunok nicht. Wenn alles gut geht, will er bis zum Jahresende bleiben. „Wenn es schlecht läuft, bin ich vielleicht in drei Wochen wieder da“, meint er nachdenklich. Traditionell wurde er von seiner Familie, Freunden und Bekannten feierlich verabschiedet. Die Sorgen standen allen ins Gesicht geschrieben. Besonders seiner Frau Hediye und seiner Mutter Hafice. „Am Anfang habe ich oft ein komisches Bauchgefühl. Aber ich habe mich entschieden. Deshalb muss ich fahren.“ Sein Engagement für Menschen in Not ist unschlagbar und echt.