Adieu, altes Haus
14.09.2009 | 18:22 Uhr 2009-09-14T18:22:00+0200
Ein Bagger gibt dem baufälligen Gebäude in der Oberstraße 12 den Rest. Es war eines der ältesten Fachwerkhäuser im Ortskern
„Ich verändere die Welt” steht auf dem Werbeplakat, das über dem Bauschutt-Container vor dem Haus Oberstraße 12 hervorragt. Und irgendwie trifft dieser Spruch auch auf den Baggerfahrer zu, der gerade hier arbeitet: Denn er ist dabei, das alte, baufällige Gemäuer abzureißen.
Das historische Gebäude steht schon eine ganze Zeit in dieser Welt. Es handelt sich um eines der letzten Fachwerkwohnhäuser im Kern von Witten aus der Zeit von 1760 bis 1800. Mehrere Jahre hatte es zuletzt leergestanden, war unter vorläufigen Denkmalschutz gestellt worden. Anwohner klagten über zunehmende Vermüllung des Grundstücks und damit verbunden des Wohnumfeldes.
Mehrere Jahre hatte die Wittener Verwaltung sowie ein Immobilienbüro Verhandlungen mit potenziellen Investoren und Nutzern für das leer stehende Fachwerkhaus gesucht, doch ohne weitreichenden Erfolg. So wurde der Abriss beschlossen, nachdem die Substanz des Hauses zunehmend schlechter geworden war. Eine Substanzsicherung im Sinne der Denkmalpflege könne nicht mehr gewährleistet werden, hieß es seitens der Verwaltung. Auch das Westfälische Amt für Denkmalpflege in Münster habe gegen den Abriss keine Bedenken erhoben.
„Wenn das Haus noch zwei, drei Jahre gestanden hätte, wäre es sowieso zusammengebrochen”, vermutet Baggerfahrer Olaf Helfmeier. Er gehört zur Lüner Firma Prümer, die nun den Abriss besorgt. „Bis Donnerstag dürften wir das geschafft haben”, glaubt Helfmeier. Immer deutlicher zum Vorschein kommt auch das überraschend große Grundstück, das sich hinter dem Fachwerkhaus befindet.
Während sich Helfmeier mit dem gefräßigen Bagger voran arbeitet, liegt ein süßlicher Geruch in der Luft. Den verbreitet das feucht-faulige Holz des Grundgerüstes dieses Jahrhunderte alten Hauses.
Gut sichtbar wird während der Abrissarbeiten, dass die Wände noch mit Lehm und Stroh verputzt waren, wie früher üblich. „Je älter so ein Haus ist, umso schwieriger ist der Abriss”, erklärt Helfmeier. „Man weiß nie, wo und wie etwas dabei zusammenbricht. Bei neueren Häusern aus Beton ist das besser kalkulierbar.” Deshalb arbeitet sich der Baggerfahrer vorsichtig voran.
Den Abriss hält er schon aus Vorsicht für sinnvoll. Helfmeier: „Nicht auszudenken, wenn sich neugierige Kinder in so ein zentral gelegenes, abgesperrtes altes Haus hineinschleichen und dann durch die Decken fallen.”
17:37
Witten reißt gerade ein letztes Stück Identität ab. Jetzt gibt es nur noch 2 Fachwerkhäuser in der Innenstadt. Warum? Weil die Stadt kein Geld hat es zu kaufen und zu sanieren. Da zeigt sich, was es heißt so hoch verschuldet zu sein. Witten wird noch geschichts- und gesichtsloser.
22:02
Na das wurde aber auch Zeit!