Abgebrannte Villa treibt Wittener Familie in den Ruin

Ohne Dach, vermüllt und mit Graffiti verschmiert: die Ruine der ehemals prunkvollen Jugendstilvilla am Bodenborn in Bommern.
Ohne Dach, vermüllt und mit Graffiti verschmiert: die Ruine der ehemals prunkvollen Jugendstilvilla am Bodenborn in Bommern.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Silvester 2006 zerstörte ein Feuer das Haus am Bodenborn. Seitdem verkommt es. Die Besitzerin hofft bis zuletzt auf ein kleines Wunder.

Witten..  Hoch oben an der Ecke Bodenborn/Uferstraße in Bommern thront eine weiße Jugendstilvilla – oder das, was von ihr übrig blieb. Silvester 2006 zerstörte ein Feuer das Haus – und damit den Traum einer Familie. Seitdem verkommt es zur Ruine, an der viele Wittener täglich vorbeifahren. Ohne zu ahnen, welches Schicksal damit verbunden ist. Der Besitzerin war es nun ein Anliegen, ihre Geschichte zu erzählen.

Die Frau, nennen wir sie Christel H., denn sie möchte ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen, erhielt die Nachricht, als sie im Krankenhaus lag. „Alles brennt lichterloh“, habe man ihr gesagt. „Ich habe es nicht geglaubt.“ Denn die heute 64-Jährige und ihre Familie haben nicht nur viel Herzblut in das Haus gesteckt, sondern auch viel Geld. Sie glaubten sich gut versichert. Anfangs sei auch Geld geflossen. Doch dann habe sich alles hingezogen. Die eingeschalteten Anwälte hätten sie über den Tisch gezogen, sich aus dem Staub gemacht. Unterlagen seien verschwunden. Vielleicht sei ihrerseits auch etwas falsch unterschrieben worden.

Feuer zerstörte alle Erinnerungen

Anfang 2000 habe sie die dreistöckige Villa, die zuvor der Deutschen Bahn gehörte, in einem Bieterverfahren gekauft, erzählt die ehemalige Krankenschwester und Sozialarbeiterin. Es sei schon irgendwie eine verrückte Idee gewesen. Sie habe davon geträumt, einmal mit ihrer Familie darin zu wohnen. Mit ihren Eltern, ihrem Lebenspartner, ihrer Tochter. Gemeinsam wollten sie das Finanzielle stemmen, leisteten viel in Eigenarbeit. „Es war so schön, mit Turmzimmer und Stuckdecken. Wir haben alles reingesteckt und auf vieles verzichtet.“ Christel H. selbst wohnte unterm Dach, das es heute nicht mehr gibt.

Der Brand, dessen Ursache sie nicht nennen könne, zerstörte alles: Möbel und Erinnerungen. „Ich habe keine Fotos mehr von früher. Es ist nichts übrig geblieben.“ Nichts, was ihr heute ein bisschen Halt geben könnte. Denn vor vier Jahren sei ihre Mutter gestorben, später ihr Vater, dann ihr Lebensgefährte. Christel H., die vor 30 Jahren an der Gründung von Viadukt, der Einrichtung für psychisch kranke Menschen an der Ruhrstraße, beteiligt war, ist heute selbst in psychologischer Behandlung, wartet auf eine Herz-OP. Sie lebt irgendwo in Heven von einer winzigen Rente.

Haus ist dem Verfall preisgegeben

Längst ist die Villa dem Verfall preisgegeben. Anfangs sei eingebrochen und alles aus Metall gestohlen worden. Die Wände sind mit Graffiti besprüht. Die Auflagen der Stadt zur Sicherung des Gebäudes und die laufenden Kosten verschlingen Summen, die die Wittenerin nur mit Hilfe ihrer Tochter aufbringen könne. Trotzdem könne sie von dem Haus nicht lassen, könne nicht einfach aufgeben und ihren Traum, der zum Alptraum wurde, begraben.

„Ich weiß, dass keine Wunder geschehen“, sagt sie. Trotzdem klammere sie sich an jeden Strohhalm. Ihre Geschichte hier zu erzählen, sei ein letzter Hilfeschrei. „Dabei habe ich nie jemanden um Hilfe gebeten, das ist mir äußerst unangenehm.“ Aber vielleicht, hofft die verzweifelte Frau bis zuletzt, gebe es noch eine Lösung. In ihren Gedanken und Träumen male sie sich aus, wie zum Beispiel eine Baufirma das Objekt instand-setze. „Deren Azubis könnten sich dort austoben.“

Sie habe jetzt, sagt die 64-Jährige, alles getan. Und vielleicht geschieht ja doch noch ein Wunder.