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Bürger-Universität : "Unsichtbare Hände" in Wirtschaft und Dichtung

Witten, 28.10.2009, Philip Kovce

Friedrich Schiller (1759-1805) war Dichter und Denker, allen voran Lyriker und Dramatiker. Zudem bekleidete er eine Professur für Geschichte an der Universität Jena, wo er auch als Historiker in Erscheinung trat. Das ist soweit bekannt und im Schillerjahr 2009 nichts Neues.

Anlässlich der Montagsreihe der Bürgeruniversität, einer Kooperation von VHS Witten und Uni Witten/Herdecke, kontrastierte Klaus Neuhoff im Audimax der Uni jedoch Gedanken Schillers mit solchen des schottischen Ökonomen und Philosophen Adam Smith (1723-1790), um weniger bekannte Facetten Schillers zu zeigen.

Zu Beginn des überwiegend gelesenen Vortrags machte Neuhoff, Leiter des Instituts Stiftung und Gemeinwohl an der Uni Witten/Herdecke, auf interessante Zusammenhänge aufmerksam: Bereits 1776, noch im Jahr des Erscheinens, übersetzte Johann Friedrich Schiller, ein Onkel des bekannten Poeten, das Hauptwerk „Wohlstand der Nationen“ von Adam Smith, der als einer der Gründerväter der modernen Ökonomie gilt. Dessen moralphilosophische „Theorie der ethischen Gefühle“ (1759) hatte der Dichter Schiller ebenso studiert wie die wirtschaftlichen Analysen des Schotten, bei denen die berühmte Metapher der ordnenden, „unsichtbaren Hand“ auftaucht.

Das Bild der „unsichtbaren Hand“ diente Neuhoff nun dazu, ein Band zu spannen zwischen Schiller und Smith. Seine These: Schiller habe die „unsichtbare Hand“ von Smith in seine eigenen Dichtungen importiert. Nicht selten tauche bei Schiller die „unsichtbare Hand“ direkt oder indirekt, etwa als „unsichtbare Hand der Vorsicht“, auf. Ob die „Hand“ Schillers tatsächlich dieselbe ist wie jene von Smith wurde allerdings nicht zweifelsfrei geklärt, denn: Reicht die Smith-Lektüre Schillers dafür als Indiz? Meinte Smith nicht eher ökonomische Marktprozesse, Schiller dagegen persönliche Läuterung?

Im abschließenden Gespräch mit dem Publikum diskutierte Neuhoff über die generelle Bedeutung der „unsichtbaren Hand“, die er als „Grammatikregeln des Zusammenlebens, ähnlich der Sprache“ verstand. Entbindet diese „Hand“ den Einzelnen von Verantwortung? Ist die „unsichtbare Hand“ stets eine „gute Hand“? Verbirgt sich hinter ihr der Zufall, oder wer steuert sie? Mit vielen Fragen wurde die „philosophische Bude“ – so ein Schillerwort – geschlossen und das Publikum schließlich ins Nachtleben verabschiedet.

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