Unbekannter hat Stele gesäubert

Drei Tage nach dem Farbanschlag auf die Gedenkstele für die jüdische Synagoge wollte die Stadt Witten das stählerne Mahnmal am Freitag reinigen lassen. Zu spät: Ein Unbekannter war ihr zuvorgekommen.
Für Freitagmorgen hatte die Stadt das Wittener Reinigungsunternehmen Gülich mit der Reinigung beauftragt. Auch die örtliche Presse wurde informiert. Als der Reporter der WAZ/WR Witten zur angekündigten Zeit um 9 Uhr am der Ecke Synagogenstraße/Breite Straße eintraf, war das Werk schon vollbracht. Die rote Lackfarbe war schon gründlich entfernt worden – sicherlich keine leichte Arbeit, da die Farbe auch in die ausgefräste Inschrift geflossen war. Nur auf dem Boden waren noch wenige Farbreste zu sehen.
Der Reporter ging zunächst davon aus, dass die Firma Gülich schneller gearbeitet habe als geplant. Auf seine Nachfrage bei der städtischen Pressestelle nach den Kosten der Aktion stellte sich jedoch heraus: Die Gülich-Leute waren noch überhaupt gar nicht vor Ort gewesen. Der Grund dafür: Es sei noch zu kalt für eine fachgerechte Reinigung der empfindlichen Oberfläche, hatte der Reinigungsmeister entschieden.
Wer hatte dann aber die Stele gereinigt? „Wir wissen es schlechthin nicht”, so Gabriele Barthold von der städtischen Pressestelle, „offenbar hat dort ein Bürger, der die Beschmierung nicht mitansehen konnte zur Eigeninitiative gegriffen.” Ein Wittener – oder waren es mehrere? – war Gülich zuvorgekommen und hatte selbst Hand angelegt. Nach dem ärgerlichen Anschlag auf die Stele augerechnet am Holocaust-Gedenktag am Dienstag die zweite Überraschung in dieser Woche – dieses Mal eine positive. Auch Stadtsprecherin Barthold ließ keinen Zweifel daran, dass „wir diese Eigeninitiave eigentlich gut finden” und betonte zugleich: „wir waren aber auch nicht langsam”.







