Gesundheit : Monika Jacobs hat sich mit ihrer Nieren-Krankheit arrangiert
Witten. Monika Jacobs ist nierenkrank und muss dreimal die Woche an die Dialyse. Wie besonnen sie damit umgeht, ist verblüffend. Die Wittenerin hat sich mit ihrem Schicksal arrangiert und wirbt für die bundesweite Nierenwoche vom 13. bis 20. März.
Monika Jacobs sitzt in einem breiten Sessel. Die Füße kann sie hochlegen, eine flauschige Wolldecke liegt auf ihren Beinen. Schräg hinter der Wittenerin, die sich gerade von ihren Radio-Ohrstöpseln befreit, steht ein weißer Kasten. Durchsichtige Schläuche geben den Blick frei auf das helle, rote Blut, das hindurchfließt. Dreimal in der Woche gehört diese Maschine zu Monika Jacobs, denn sie muss ihr Blut bei der Dialyse reinigen lassen.
„Ich nehme immer meine Tageszeitung mit, und danach höre ich Radio. Hier gibt es auch ein leckeres Frühstück”, sagt Jacobs. Jeweils vier Stunden dauert es, bis die Maschine Jacobs' Blut komplett gewaschen hat. „Meine Nieren sind nur noch so groß wie Knitteln”, sagt die 65-Jährige und lacht dabei. Sie meint Murmeln, mit denen man auf dem Schulhof gespielt hat.
Zuckerkrankheit ist häufigste Ursache für Nierenversagen
Mit Mitte 20 diagnostizierten die Ärzte bei ihr Diabetes. Heute wissen sie, dass die Zuckerkrankheit eine der häufigsten Ursachen für chronisches Nierenversagen ist. Die Symptome stellten sich zunächst schleichend ein. „Ich habe mich schlapp gefühlt. Später hatte ich Luftnot, konnte nachts nicht mehr schlafen. Ich hatte Wasserablagerungen in der Lunge und solche Beine”, sagt die vierfache Großmutter und formt ihre Hände, als halte sie einen dicken Baumstamm. Ihren rechten Arm bewegt sie dabei kaum. Er ist über Kanülen und Schläuche mit der Maschine verbunden.
Monika Jacobs jammert nicht, wenn sie über ihre Erkrankung redet. Sie erzählt nüchtern und aufgeklärt, aber keineswegs verbittert: „Es kann ja nicht jeder 100 werden, das wusste ich schon immer. Dann werde ich eben 50”, sagte sie sich nach der Diabetes-Diagnose.
Die große Operation liegt 16 Jahre zurück
Heute kann die 65-Jährige rückblickend sagen, dass ihre große Operation vor 16 Jahren ein einschneidendes Erlebnis war. Ihr wurde nicht nur eine Niere transplantiert, sondern auch eine neue Bauchspeicheldrüse. „Für mich war es schwer, die Entscheidung zu fällen, ob ich die schwierige OP machen soll. Denn entweder geht es gut oder nicht. Letztendlich waren meine Kinder zu der Zeit schon alt genug und konnten sich selbst versorgen. Da habe ich es gemacht”, erzählt Jacobs.
Die transplantierte Bauchspeicheldrüse tut noch immer ihren Dienst. Doch die neue Niere nicht. Seit knapp einem Jahr ist Monika Jacobs in der Dialysebehandlung in der Gemeinschaftspraxis an der Ardeystraße 105. „Ich bin ja nicht krank”, sagt sie und lacht dabei mit ihrem ganzen Gesicht, „ich habe ja nur ein kleines Handicap”.
Sie hat sich arrangiert
Wenn sie sich am Nachmittag nach der Blutwäsche gut fühlt, besucht sie noch ihre Schwägerin in Dortmund oder trifft sich mit Freunden in der Wittener Innenstadt. „Wenn der Kreislauf nicht hoch kommt”, so sagt sie, dann verbringe sie den Tag auf dem Sofa. „Aber auf keinen Fall im Bett, da bleibe ich sowieso nicht.”
Monika Jacobs hat sich mit ihrem Schicksal arrangiert. „Andere werden nur 30. Wenn die Zeit gekommen ist, dann ist es so. Soll ich mich jetzt auch krank stellen?” Natürlich weiß sie, dass ihre zwei Kinder und die Enkel sich Sorgen machen. Trotzdem sagt sie: „Wenn es mir schlecht geht, denke ich daran, dass es mir morgen wieder besser gehen wird.” Dennoch würde sich die Wittenerin über einen Anruf besonders freuen. Sie steht erneut auf der Warteliste für eine neue Niere. „Eine Niere von einem alten Menschen würde mir reichen”, sagt sie. „Ein Organ, das noch so fünf oder sechs Jahre hält.”








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