Im Schrank wurden zwei noch verpackte Tchibo-Uhren gefunden : Edeka-Markt will Betriebsratsvorsitzende feuern
Gabriele Gramckow saß wie immer an der Kasse des Edeka-Marktes an der Crengeldanzstraße, als der Chef sie ins Büro bat. Dass dies in Gegenwart der Ladendetektivin geschah, verhieß nichts Gutes.
Ihm sei da etwas Unangenehmes zugetragen worden, teilte Ladenbesitzer Norbert Bertram (52) seiner Angestellten mit, die gleichzeitig Betriebsratsvorsitzende für die rund 45 Beschäftigten ist. Er müsse in den Schrank im Pausenraum gucken, der dem Betriebsrat gehört. Links lag eine eingepackte Damenuhr von Tchibo für 14,95 Euro, rechts eine Herrenuhr für 19,95 Euro, ebenfalls noch verpackt. Sie wisse nicht, wie die Ware aus dem Laden dort hingekommen sei, versichert die 51-Jährige, die seit zehn Jahren in dem 2006 von Bertram übernommenen ehemaligen Neukauf-Geschäft arbeitet. Gramckow: „Ich würde hier noch nicht einmal Schokolade essen, die für die Kunden ist.”
Die Detektivin eröffnete ihr, Strafanzeige wegen Ladendiebstahls zu stellen. Gabriele Gramckow wurde freigestellt. Für gestern hatte sie der Chef wieder ins Geschäft bestellt. Er habe Post für sie. Gramckow: „Nach Paragraf 103 des Betriebsverfassungsgesetzes ersucht er um die Zustimmung des Betriebsrats für eine außerordentliche Kündigung.”
Für die Betriebsrätin und die Gewerkschaft ver.di ist die Absicht des Kaufmanns eindeutig: Nach neun erfolglosen Abmahnungen solle der Betriebsrat ausgeschaltet werden, der sich in der Person von Gabriele Gramckow seit 2006 engagiert für die Belange der Beschäftigten einsetze – egal ob es um Überstunden oder zu niedrige Temperaturen geht. Für Ende nächster Woche waren Verhandlungen über eine Betriebsvereinbarung angesetzt. Dabei ging es laut Gramckow auch um längere Öffnungszeiten. Sie wollte durchsetzen, dass neuere Mitarbeiter nach altem Recht bezahlt werden sollten- mit Zuschlägen von 55 Prozent ab 20 Uhr.
Ver.di hat die Kriminalpolizei eingeschaltet, die nun den Sachverhalt klären soll. Um Gramckow zu unterstützen, verteilte die Gewerkschaft gestern Flugblätter in dem Supermarkt mit der Frage: „Glaubt Ihr, Eure Betriebsräte klauen Uhren und deponieren sie im Betriebsratsschrank?” Die Kollegen stünden auf ihrer Seite, sagt die Wittenerin, die bis zum Letzten kämpfen will – diesmal in eigener Sache.







