„Dies ist ein bitterer Tag”
Das sagt der Opelaner Thomas Löhken zur Nachricht, dass GM nun Opel doch nicht an Magna verkaufen will.
„Ich bin in ein Riesenloch gefallen und habe die Nacht über kaum geschlafen aus Sorge um die Zukunft”. So erzählt der Wittener Thomas Löhken (41), Meister in der Karosseriefertigungsmontage bei Opel in Bochum.
Dies war Löhkens Reaktion, als er aus den Medien erfuhr, dass der US-Mutterkonzern General Motors sich laut GM-Verwaltungsrat dazu entschlossen habe, Opel zu behalten und nicht – wie seit einiger Zeit geplant – an den Autozulieferer Magna zu verkaufen.
Löhken, der mit seiner Frau und zwei Töchtern in der Rosi-Wolfstein-Straße wohnt, ist bereits Opelaner im 21. Jahr. Als Meister leitet er ein Team von 47 Mitarbeitern. Löhken: „Das Theater um Opel geht nun schon rund ein Jahr. Und das zehrt ungeheuer an den Nerven. Ich habe schon zwei Mitarbeiter zu unserem Sozialberater geschickt, der sie psychologisch unterstützt.”
Löhkens aktuelle Bilanz lautet: „Dies ist ein bitterer Tag, definitiv.” Und er schließt an: „Ich habe zu keinem mehr Vertrauen. Es ist doch komisch, dass Magna über die GM-Entscheidung nicht enttäuscht zu sein scheint nach so langen, scheinbar aussichtsvollen Verhandlungen. Da fragt man sich doch: War das im Vorfeld nicht bereits ein abgekartetes Spiel?”
Er und einige seiner Kollegen hätten nach der aktuellen GM-Entscheidung zwei denkbare Szenarien entwickelt, so Löhken. Und beide seien auf ihre Art bitter. Löhken: „Es wäre doch vorstellbar, dass GM uns in die Insolvenz bringen will, um das Bochumer Opel-Werk billig abzuwickeln. Ohne Insolvenz müssten sie riesige Abfindungen zahlen, bei Insolvenz nur zweieinhalb Grundlöhne.” Szenario Nummer zwei könnte laut Löhken so aussehen: „General Motors schließt die Opel-Standorte Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen, um das Volumen der Fahrzeuge, die dort gebaut werden, auf andere Werke zu verteilen.”
Thomas Löhken weiter: „Die Gewinner werden die Engländer und Spanier sein, wo das Magna-Konzept des Arbeitsplatzabbaus stärker zugeschlagen hätte.”
Und er gibt zu bedenken: „Von einem Arbeitsplatzabbau würde ja nicht nur Opel Bochum betroffen sein, sondern die gesamte Region. Denn da hängen ja auch zahlreiche Zuliefer-Betriebe mit zigtausenden Beschäftigten dran. Und letztlich würde es durch die Familien der Betroffenen noch den letzten Supermarkt angehen, in dem diese dann aus Geldmangel weniger kaufen könnten.”
Auch der Automobilzulieferer Gallade´ hat lange Zeit Opel beliefert. Derzeit laufe jedoch nur noch das Ersatzteilegeschäft, das keine relevante Größe für Gallade´ habe, erklärt der Betriebsratsvorsitzende Frank Ellerkamp. „Das wird deshalb wahrscheinlich erstmal keine Auswirkungen für uns haben”, sagt er.
In Witten wohnen übrigens etwa 150 bei Opel Bochum Beschäftigte, so Löhken. Über die Stimmung derzeit im Werk berichtet er: „Sie ist überraschend diszipliniert. Unser Motto lautet: Die Hoffnung stirbt zuletzt.”
Am Donnerstag um 14 Uhr sei eine Infoveranstaltung mit der gesamten Belegschaft sowie NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz geplant, so Löhken. In Rüttgers' Engagement legt er besondere Hoffnung.
Löhken berichtet, dass sich im Laufe des Mittwochs vor dem Werkstor etwa 20 bis 30 Kamerateams postiert hätten. Er erzählt: „Aber die meisten meiner Kollegen sind schnell an den Medienleuten vorbeigegangen und wollten lieber keine Interviews geben, wohl aus Angst.”
Auch ein Kollege aus Löhkens Abteilung, den unsere Zeitung befragen wollte, lehnte jede Stellungnahme ab.







