63-Jähriger verübte Überfall wohl aus Einsamkeit
14.04.2010 | 17:22 Uhr 2010-04-14T17:22:00+0200
Witten.Ein Überfall aus Einsamkeit? Tatsächlich begründete jetzt so ein 63-jähriger Angeklagter vor Gericht, warum er Heiligabend 2009 an einem Automaten der Sparkasse einen Kunden zwingen wollte, Geld abzuheben und es ihm auszuhändigen.
Das Opfer konnte sich jedoch befreien, da es dem Täter körperlich deutlich überlegen war. Der ehemalige Schulleiter hatte den Mann mit einem Kugelschreiber von hinten bedroht, den der Betroffene nicht sehen konnte.
„Ich schäme mich so sehr für mein Verhalten. Ich weiß nicht, was mich da geritten hat“, erklärte der sichtlich bestürzte Angeklagte. Das Opfer hielt den Täter, der weggehen wollte, fest, bis die Polizei eintraf. Bei der Durchsuchung wurden drei Taschenmesser gefunden. Deshalb musste er sich nun wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten.
„Es war Heiligabend. Meine Mutti war zwei Monate zuvor gestorben und ich fühlte mich einsam“, schilderte der emotional mitgenommene Täter den Abend, an dem er den Überfall beging. „Ich wollte auf den Weihnachtsmarkt, merkte dann aber, dass der schon abgebaut war.“ Auf die Frage des Richters, warum er zur Sparkasse ging, obwohl er kein Konto besitzt, hatte der Täter keine Antwort.
„Sie wissen aber schon, dass die Tat an Dämlichkeit kaum zu überbieten ist“, sagte der Vorsitzende Richter Bernd Grewer. Er verurteilte den 63-Jährigen, der geständig war und sich vorher noch nie etwas zu Schulden hatte kommen lassen, zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit. Um Letztere hatte der Angeklagt selbst gebeten.
„Das strenge Urteil kommt dadurch zustande, dass es sich trotz aller Umstände immer noch um eine versuchte räuberische Erpressung handelt“, erklärte Grewer dem Angeklagten. Der jedoch zeigte sich reumütig: „Ich nehme alles an, was sie mir geben. Ich schäme mich so sehr.“
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