62-jähriger Wittener griff wieder in die Regale

Das Bochumer Amtsgericht verurteilte den Wittener zu zehn Monaten auf Bewährung.
Das Bochumer Amtsgericht verurteilte den Wittener zu zehn Monaten auf Bewährung.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Er kann es offenbar nicht lassen. Selbst bei Windeln oder Legosteinen macht der Mann lange Finger – jetzt wurde der 62-jährige erneut verurteilt.

Witten..  Windeln, Legosteine, Erbsensuppe – ein geübter Langfinger aus Witten hatte in den vergangenen Jahren immer wieder in die Regale gegriffen. Nun musste sich der 62-jährige Mann erneut vor Gericht verantworten. Haft und eine mögliche Unterbringung in einer Psychiatrie bleiben ihm erspart.

Das Bochumer Amtsgericht verurteilte den gelernten Industriemechaniker zu zehn Monaten auf Bewährung wegen Diebstahls mit Waffen. Er war im April in einem Bochumer Elektronikmarkt mit Lautsprechern unter dem Hemd an den Kassen vorbeigelaufen. Der ertönende Signalton rief dann die Sicherheitskräfte auf den Plan. Beim Auspacken legte der Langfinger nicht nur die gestohlene Ware auf den Tisch, sondern zur Verwunderung des Personals auch Teppichmesser und Seitenschneider.

„Werkzeuge“ angeblich für Autoreparatur benötigt

Angeblich habe er die Werkzeuge vor seinem „Einkauf“ für die Reparatur seines Autos benötigt, sagte der Angeklagte. „Ich hatte dummerweise vergessen, sie aus den Taschen zu nehmen.“ Die Staatsanwältin glaubte ihm, dass er Messer und Seitenschneider nicht einsetzen wollte. „Aber in einer Notsituation kann es schnell dazu kommen, dass man sie gegen andere richtet“, warnte sie.

Warum er überhaupt die Lautsprecher eingepackt hatte, konnte der 62-Jährige selbst nicht beantworten. „Ich habe sie gesehen, eingesteckt und bin dann Richtung Ausgang. Ich wusste noch nicht mal, was das für Dinger sind.“ Es ist nicht das erste Mal, dass der schwer krebskranke Wittener in die Regale griff. Etliche Male ist er bereits wegen Betrug und Diebstahl verurteilt. Einmal wurden ihm sogar drei Jahre und neun Monate Gefängnis aufgebrummt.

Beim nächsten Mal droht ihm wieder Gefängnis

Der Verteidiger des Witteners hatte kurzzeitig dessen Begutachtung erwogen. Er vermutete dem Vernehmen nach kleptomanische Züge, also einen Zwang zum Stehlen. Einen entsprechenden Antrag zog der Anwalt aber auf Anraten des Gerichts in letzter Minute zurück: Dann hätte womöglich eine Unterbringung in einer Psychiatrie für den 62-Jährigen gedroht, der nach eigenen Angaben nur noch einige Jahre zu leben hat. Beim nächsten Diebstahl droht ihm aber wieder das Gefängnis.