33 Flüchtlinge lernen per Bus Witten kennen

Dieter Lagemann (re.) begleitete die Gruppe der Flüchtlinge als Stadtführer bei der Bustour.
Dieter Lagemann (re.) begleitete die Gruppe der Flüchtlinge als Stadtführer bei der Bustour.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Bei einer Stadtrundfahrt lernten 33 Flüchtlinge Witten kennen. Die Stabsstelle für Integration hat das neue Angebot organisiert.

Witten.. Es nieselt und eine frische Brise weht den jungen Leuten hier oben um die Nase. Trotzdem ist der Blick vom Rathausturm sicher einer der Höhepunkte dieser Stadtrundfahrt. Wie immer zücken die Teilnehmer ihre Handys, um die Sicht auf Witten zu fotografieren. Und doch ist etwas anders bei dieser Tour: Denn diesmal sind es nicht Touristen, die sich die Ruhrstadt anschauen, sondern Flüchtlinge, die auf diese Weise ihre vielleicht zukünftige Heimat kennenlernen.

Sie stammen aus Syrien, Algerien, Marokko, Afghanistan und Tadschikistan, aus dem Irak, Tschetschenien, Ghana und Eritrea. Manche sind gerade erst sechs Wochen hier, manche schon neun Monate, wie der 19-jährige Safai. Mit 33 Menschen, überwiegend jungen Männern, ist der Bus fast voll, den Stephanie Fröhling von der Stabsstelle für Integration quasi vom Stadtmarketing „gechartert“ hat. Mit dabei ist auch Stadtführer Dieter Lagemann. Und weil der 75-Jährige ein alter Hase in diesem ehrenamtlichen Geschäft ist, fällt es ihm nicht schwer, ein wenig zu improvisieren.

Vorbei an Freibad und Sportplatz

Denn die Route weicht etwas von der klassischen Strecke ab, weil das Interesse der Flüchtlinge natürlich ein anderes ist. „Da will ich den Kohlensiepen runter und dann wollen die das Freibad sehen“, erzählt er beim Zwischenstopp am Rathaus. „Und am liebsten wären dort alle noch ausgestiegen, um zum Beispiel zu erfahren, wie man ein Ticket kauft“, weiß Maria Gavrish von der Caritas, die für die Stadt drei Flüchtlingsunterkünfte betreut und deshalb an diesem Montagnachmittag mit von der Partie ist. Auch die Stadtbibliothek hätte sie gern besucht, um den Flüchtlingen zu zeigen, wie das geht, hier ein Buch auszuleihen. Als die Fahrt am Wullen-stadion vorbei führt, kommen weitere Fragen: „Dürfen wir dort spielen? Oder um den Platz laufen?“ Um die Antwort wird Maria Gavrish sich kümmern. Doch für diesen Tag ist das zu viel Programm.

Denn die Frau von der Caritas ist heute vor allem als Dolmetscherin im Einsatz. Übersetzer sollten eigentlich mehrere an Bord sein, doch weil das nicht wie geplant geklappt hat, versucht es Stadtführer Lagemann spontan auf Englisch.

„The building on the left side is the Sparkasse“, erklärt er, als es vom Rathaus über die Ruhrstraße Richtung Zeche Nachtigall geht. Und wenige Sekunden später: „And on the right side is Haus Witten.“ Dann führt die Tour mitten hinein ins dichte Grün, mitten durchs Muttental bis nach Herbede. „Ist das noch Witten?“, fragt die Armenierin neben mir sichtlich überrascht. Sie hätte nicht gedacht, dass die Stadt so groß sei, sagt die junge Frau.

Die 23-Jährige, die in ihrer Heimat Deutsch gelernt hat, kam vor neun Monaten mit ihren Eltern und ihrem 24-jährigen Bruder, der uns gegenüber sitzt, nach Witten. Über einen Monat lebten die Vier in der Hevener Unterkunft, bevor sie eine Wohnung in der Nähe des Marien-Hospitals bekamen. Während der Stadtrundfahrt macht die junge Frau sich mit Witten vertraut. Denn für sie ist klar: „Diese Stadt wird mein neues Zuhause.“