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23-jähriger Wittener muss fünf Jahre ins Gefängnis

03.03.2016 | 15:25 Uhr
23-jähriger Wittener muss fünf Jahre ins Gefängnis
Das Justizgebäude in Bochum. Hier wurde das Urteil am 3. März 2016 gesprochen.Foto: Archiv, Ingo Otto

Witten.   Junger Mann hatte aus nichtigem Anlass brutal um sich geschlagen und getreten. Zusätzlich droht ihm der Widerruf einer Bewährugnsstrafe.

Die siebte Strafkammer des Bochumer Landgerichts hat einen 23 Jahre alten Wittener am Donnerstag zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren verurteilt. Damit übertraf das Gericht die Forderung der Staatsanwaltschaft sogar um drei Monate.

Im aktuellen Verfahren wurde der junge Mann verurteilt wegen gefährlicher Körperverletzung in fünf Fällen, vorsätzlicher Körperverletzung in drei Fällen sowie wegen Widerstands gegen Vollzugsbeamte, Beleidigung und Diebstahls. Die Anlässe für die Gewaltausbrüche waren völlig nichtig. Der 23-Jährige schlug – und trat teilweise – brutal auf seine Ex-Partnerin und zwei ihrer Freundinnen ein, weil die Ex-Partnerin sich nicht mit anderen treffen sollte. Am Busbahnhof verletzte er zwei Männer bei der WM-Feier 2014 schwer. Einer hatte ihn aufgefordert, nicht weiter gegen die Straßenbahn zu treten.

Der 23-Jährige muss zusätzlich mit dem Widerruf der Bewährung für eine anderthalbjährige Jugendstrafe rechnen, die er dann absitzen müsste. Danach erwartet den gebürtigen Iraker nach Angaben der Kammer ein Abschiebeverfahren. Ob er dann tatsächlich Deutschland verlassen muss, stehe aber rechtlich auf einem anderen Blatt. Der 23-Jährige hat den Status eines geduldeten Flüchtlings. Er war als Siebenjähriger mit seinen Eltern aus dem Irak nach Witten gekommen.

Amtsgericht hatte das Verfahren abgegeben

Das Wittener Amtsgericht hatte den Strafprozess gegen den 23-jährigen Wittener an das Landgericht in Bochum abgegeben, weil es selbst nur bis zu vier Jahre Gefängnis verhängen kann. Die Einschätzung, dass das nicht ausreichen würde, bestätigte jetzt die siebte Kammer des Landgerichts, die den Wittener zu fünf Jahren verurteilte.

Eine Spur der Gewalt

Durch das Leben des erst 23-Jährigen zieht sich eine Spur der Gewalt. Acht, überwiegend „einschlägige“ Eintragungen – also ebenfalls wegen Körperverletzung – hatte er schon vor den jetzt verhandelten Taten im Strafregister. Mit fünfzehn musste er zum Antiaggressionstraining, mit achtzehn Sozialstunden ableisten. Als er 21 Jahre alt war, verhängte eine Jugendrichterin eine anderthalbjährige Jugendfreiheitsstrafe mit Bewährung, verbunden mit einem vierwöchigen „Warnschussarrest“.

„Krasser Bewährungsversager“

„Das hat bei Ihnen aber alles nichts genützt“, bescheinigte Vorsitzender Richter Josef Große Feldhaus dem Angeklagten. Die Vorstrafen und die Bewährungsstrafe, mit deren Widerruf er als „krasser Bewährungsversager“ jetzt ganz sicher rechnen müsse, hätten ihn „völlig unbeeindruckt“ gelassen und nicht davon abgehalten, „eine ganze Kette weiterer einschlägiger Straftaten“ zu begehen.

In der Nacht des deutschen WM-Siegs 2014 hatte ein Wittener den Angeklagten aufgefordert, am Kornmarkt nicht gegen die Straßenbahn zu treten und doch lieber mitzufeiern. Später sprang der Angeklagte aus der Menge heraus mit gestrecktem Bein frontal auf Hüfthöhe auf diesen Wittener zu.

Ehefrau wollte ihren Mann schützen

Als der schon am Boden lag, schlug und trat der Angreifer weiter „in hoher Frequenz“ auf ihn ein. Weil die Ehefrau des Opfers um dessen Leben bangte, warf sie sich verzweifelt selbst über ihren Ehemann, um diesen zu schützen.

Freundin überwacht

Seiner Freundin (17) machte der Angeklagte Vorschriften, wen sie wann treffen durfte oder nicht. Er überwachte sie, kontrollierte ihr Handy. Wenn er „sauer wurde“ oder sie einer Anweisung nicht folgte, habe er ihr eine „geklatscht“, sagte sie als Zeugin. Dass er von einer „Vormachtstellung ihr gegenüber ausging“, führte der Vorsitzende auf den kulturellen Hintergrund des Irakers und Muslims zurück. Sich selbst habe er aber, vor allem beim Alkohol, „alle Freiheiten genommen“.

Bei Ohrfeigen blieb es nicht. Als die Partnerin sich einmal „verbotswidrig“ mit zwei Freundinnen treffen wollte, schlug und trat der Angeklagte die beiden krankenhausreif. Ein Sachverständiger stufte einen Teil der Verletzungen als lebensgefährlich ein.

Bei Opfern entschuldigt

Als strafmildernd wusste der Vorsitzende lediglich anzuführen, dass der 23-Jährige teilweise geständig war und sich bei seinen Opfern im Prozess entschuldigt hatte. Allerdings sei die Beweislage auch erdrückend gewesen.

Der Vorsitzende sparte mit Appellen ans Gewissen. Prozessbeobachtern drängte sich der Eindruck auf, dass der Angeklagte in seinen Augen, wenn überhaupt, dann noch durch ein hohes Strafmaß zu beeindrucken und vom falschen Weg abzubringen ist: fünf Jahre plus anderthalb aus dem erwarteten Bewährungswiderruf für einen 23-Jährigen. Der Angeklagte blickte sehr ernst und schwieg.

Kommentare
04.03.2016
08:14
23-jähriger Wittener muss fünf Jahre ins Gefängnis
von MacW | #1

Eine Duldung ist lediglich die Aussetzung der Abschiebung. Daher Haftstrafe absitzen und dann postwendend nach Hause, unabhängig davon, was ihn dort...
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2016-03-03 15:25
Witten