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13 Wittener sind über 100 Jahre alt

16.02.2016 | 07:00 Uhr
13 Wittener sind über 100 Jahre alt
Hilde Köpke (links) aus dem Josefs Seniorenzentrum in Witten Annen feiert am 16. Febr. ihren 100. Geburstag. Mit auf dem Foto Senioren-Betreuerin Effi Roditi. Köpke sammelt Fingerhüte. Besonders aus dem Urlaub hat sich die Jubilarin Fingerhüte mitgebracht.Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Auch Hilde Köpke gehört nun dazu: Heute feiert die Wittenerin, gebürtig aus Stralsund, eine Party in ihrem Altenzentrum St. Josef.

Wenn Hilde Köpke heute ihren Geburtstag feiert, dann ist Witten um einen hundertjährigen Einwohner reicher. Die alte Dame hat Verwandte und Bekannte in den Festsaal des Annener St. Josefshauses eingeladen – zum Kaffeetrinken. Denn das gehört zu jedem Tag in ihrem ereignisreichen Leben dazu.

Fürs Foto hat Hilde Köpke sich schick gemacht, war extra beim Frisör im Erdgeschoss des Altenzentrums. Einmal pro Woche pilgert sie dorthin, auch eine schicke Garderobe, Broschen, Uhr und Schmuck müssen sein. „Schickobello war meine Oma schon immer“, findet ihr Enkel, der Annener Physiotherapeut Torsten Demtröder. Er schwärmt von der „kleinen, lustigen“, noch erstaunlich fidelen Dame, die mit über 50 Jahren noch den Führerschein machte – um ihre drei Enkel herumkutschieren zu können. „Sie hatte drei Kadetts, einen in Weiß, in Rot und in Orange. Damit fuhr sie uns überall hin.“

58 Jahre in der gleichen Wohnung

Bis vor zwei Jahren wohnte Hilde Köpke noch in ihrer Wohnung an der Sprockhöveler Straße, in die sie 1956 gezogen war. Sie versorgte sich nahezu selbst, ging noch zum Bäcker oder in den Supermarkt. Auch ihren letzten Mann versorgte sie. Als er 84-jährig verstarb, entschied sich die 98-Jährige, ins Altenheim zu gehen. „Das ist jetzt mein Eigentum“, sagt sie, und zeigt auf ihr kleines Zimmer mit Bad. „Hier ist es schön warm.“ Viele Fotos zeigen Erinnerungen: an drei Enkelkinder, vier Urenkel, Ehemänner, an die Geburtsstadt Stralsund und von der schicken Hilde mit Hütchen.

Info
Älteste Wittenerin zählt 105 Lenze

13 Menschen, die in Witten leben, haben bereits ihren 100. Geburtstag gefeiert – das belegt die Statistik des Bürgerbüros. Die Zahl der Hundertjährigen steigt: Allein im Josefshaus, in dem Hilde Köpke lebt, stehen im April und im Mai zwei weitere 100. Geburtstage von Bewohnerinnen an, so Pflegedienstleiterin Bernadette Heiduk.

Der älteste Mensch in Witten lebt auch im Josefshaus: Die Dame ist mittlerweile 105 Jahre alt, zum letzten Geburtstag gab es sogar ein persönliches Glückwunschschreiben von Bundespräsident Joachim Gauck.

Bis 2007 lebte in Witten der älteste Mann Deutschlands: Robert Meier verstarb im Alter von 109 Jahren. Der lebenslustige Meier war 1897 als Kind deutscher Eltern in der Ukraine geboren, kämpfte in zwei Weltkriegen und kam als Eisenbahner nach Witten.

Der aktuell älteste Mensch Deutschlands ist Gustav Gerneth, 110 Jahre alt, aus Havelberg.

Dazwischen hängen Setzkästen mit Porzellan-Fingerhütchen. Allesamt sind Andenken aus fernen Ländern. Wer verreist, bringt Frau Köpke einen mit, so lautet der Ehrenkodex. Ab und zu zählt die Wittenerin ihre Hütchen. „Vierhundert hab ich.“ 250 schätzt dagegen der Enkel. Fingerhüte sammelt die Hundertjährige, weil sie gelernte Schneiderin sei. „Oma hat für uns alles genäht, sogar die Karnevalskostüme“, so Demtröder.

Effi Roditi vom Sozialen Dienst des Josefshauses kümmert sich viel um Hilde Köpke. „Es ist ganz toll, wie eigenständig Frau Köpke noch ist“, lobt sie. So gehe die Seniorin pünktlich zu den Mahlzeiten, nehme an Veranstaltungen teil. Kleinigkeiten seien ihr wichtig: Das Brot selbst zu schmieren, Fleisch selbst klein zu schneiden oder eben Milch allein in den Kaffee zu kippen.

Der Kaffee – da haben wir ihn wieder. Warum nur hält sich Frau Köpke so fit? „Es ist die Disziplin“, glaubt Enkel Torsten Demtröder, „und der feste Rhythmus, der jeden Tag strukturiert“. Dazu gehöre auch die pünktliche Tasse Nachmittags-Kaffee.

Hilde Köpke wurde 1916 in Stralsund geboren. 1956 verließ sie ihren Ehemann, indem sie mitsamt ihren beiden Töchtern über Berlin ins Ruhrgebiet floh – die Mauer gab es damals noch nicht. Es folgte ihr ihre Sandkastenliebe. „Opa Hans“ wurde ihr zweiter Ehemann, mit ihm begann sie ein neues Leben in Witten. Sie arbeitete als Verkäuferin in der Fotoabteilung von Horten, heute Galeria Kaufhof. 1994 verstarb Hans. Mit 78 Jahren wählte einen dritten Partner, mit dem sie 20 Jahre lang zusammen lebte.

Das Interesse für die Fotografie hat Hilde Köpke bis heute bewahrt. So wird an jedem Geburtstag aufwändig die gedeckte Kaffeetafel fotografiert – natürlich ohne die störenden Geburtstagsgäste darauf. Torsten Demtröder lacht: „Es gibt ungefähr 200 Fotos, die nur den Kuchen und das Kaffeeservice zeigen.“

Susanne Schild

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2016-02-16 07:00
Witten