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Caritas-Projekt

Witten

14.02.2012 | 15:42 Uhr
Ein Herz und eine Seele: Regelmäßig besucht Ingeborg Nickel (71) die 79-jährige Elfie. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Witten.   Wer einen Menschen im häuslichen Umfeld rund um die Uhr pflegt, der braucht auch mal eine Auszeit. Weil die Anfragen danach steigen, sucht die Caritas für ihr Mobile-Projekt weitere freiwillige Helfer zur Entlastung pflegender Angehöriger.

Immer wieder nimmt Ingeborg Nickel (71) die ältere Dame in den Arm. Sie flüstern miteinander, wirken ganz vertraut. Dabei kennen sich die beiden Frauen gerade mal vier Monate: So lange betreut Ingeborg Nickel im Auftrag des Caritas-Projekts „Mobile“ als freiwillige Helferin die 79-jährige Elfie – zur Entlastung ihrer Angehörigen.

Elfie aus Schwelm lebt seit einem Jahr im Feierabendhaus an der Pferdebachstraße, allein in ihrer eigenen kleinen Wohnung. Die Familie kümmert sich, besucht regelmäßig die Mutter, die Schwiegermutter, die Oma. „Trotzdem hat sie sich hier anfangs einsam und nicht wie in einem Zuhause gefühlt“, erzählt Schwiegertochter Rita (51). Bis Ingeborg Nickel in ihrem Leben auftauchte: Zweimal pro Woche kommt die Wittenerin vom Sonnenschein für zwei Stunden rüber. „Dann gehen wir viel spazieren oder freitags gemeinsam in die Andacht“, sagt Ingeborg Nickel. Bei Bedarf begleitet sie Elfie auch zum Arzt oder zum Friseur.

„Es ist unschätzbar, dass es Frau Nickel gibt. Elfie erzählt mit leuchtenden Augen von ihr“, erklärt die Schwiegertochter. Sie selbst habe das Gefühl, dass dadurch eine Last von ihrer Schulter genommen wurde. „Es ist so wichtig, dass jemand Zeit mit ihr verbringt, dass sie nicht allein ist.“

Seit fast sieben Jahren bietet der Caritas-Verband Witten diese Form der Betreuung für Pflegebedürftige durch ehrenamtliche Mitarbeiter an. Und Ingeborg Nickel ist von Anfang an dabei. „Ich habe Zeit und die will ich verschenken. Ich will was Gutes tun und mein Leben nicht mit Lappalien verschwenden“, erklärt die 71-Jährige ihr Engagement. Bis heute mache es ihr Freude, für andere Menschen da zu sein, „denn man kriegt ja auch viel zurück“.

Solche wie Ingeborg Nickel, die ausgebildete Krankenschwester und außerdem ambulante ehrenamtliche Hospizhelferin ist, sucht die Caritas dringend. 32 Helferinnen und fünf Helfer gebe es derzeit. „Und die Nachfrage steigt kontinuierlich“, sagt Mobile-Mitarbeiterin Gisela Hülsmann. Locker könnte sie 50 Helfer einsetzen, aber „wenn sich 20 melden, würde ich mich schon freuen“, sagt die 58-Jährige.

Pflegerische Kenntnisse seien von Vorteil, aber keine Bedingung, betont Hülsmann. Wer das Team verstärken möchte, der macht erst mal eine zweimonatige Schulung mit anschließender Hospitation in einer Wittener Einrichtung. Dabei lernen die Teilnehmer viel über den Umgang mit älteren Menschen oder erfahren, was genau Demenz, was Parkinson ist. Natürlich erfahren die Helfer auch alles Nötige über die Biografie der Menschen, die sie betreuen.

Stundenweise sind sie dann für die Pflegebedürftigen da, um den Angehörigen eine Atempause zu verschaffen. Der Einsatz erfolgt regelmäßig, ist aber nicht immer auf bestimmte Zeiten festgelegt. „Natürlich wird dabei auch Schlimmes erlebt, fließen Tränen bei den Reflexionsstunden, die wir den Helfern regelmäßig anbieten“, weiß Gisela Hülsmann.

Dass zwei von Anfang an ein Herz und eine Seele sind, so wie Ingeborg Nickel und Elfie, sei eher die Ausnahme. „Dass wir beide uns gefunden haben, das ist schon was ganz Besonderes“, sagt die ehrenamtliche Helferin. Sie drückt Elfies Hand. Und beide strahlen.

Angehörige, die den Dienst der freiwilligen Helfer in Anspruch nehmen, können diesen über die Krankenkasse abrechnen. Der Stundensatz der Caritas liegt bei 12,80 Euro. Die Helfer selbst erhalten als Aufwandsentschädigung 4,50 Euro pro Stunde. Wer sich für das Ehrenamt interessiert: Die nächste Schulung beginnt voraussichtlich am 27. März. Info: Mobile-Büro, Hauptstr. 81 (Mo 10-14, Di bis Fr 9-12 Uhr), 18234.

Annette Kreikenbohm

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Kommentare
15.02.2012
08:39
Eine gute Sache!
von ThomasTebeck | #1

Wer selbst erlebt hat wie belastend die Pflege von Angehörigen sein kann, wird für dieses Angebot der Caritas dankbar sein! Es wäre schön, wenn sich neue Helfer finden würden!

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