„Wir müssen Menschen begeistern”
02.09.2008 | 17:32 Uhr 2008-09-02T17:32:00+0200
Burbach-Würgendorf. Rund 350 000 Euro muss Birgit Hirsch in den nächsten drei Monaten ausgeben. Diese Summe wird in die erste Phase der Renovierung des Heimhof-Theaters investiert.
Drei Jahre nachdem der letzte Vorhang gefallen ist, wird ein neues Kapitel Kulturgeschichte auf der Wasserscheide aufgeschlagen. Der Kulturkreis ist Vergangenheit, dem Heimhoftheater gehört die Zukunft. Daran arbeiten der Förderverein unter der Leitung von Theodor Petera und Birgit Hirsch als Architektin. Das 1951 in Dienst gestellte Theater im ehemaligen Pferdestall der Würgendorfer Dynamit-Fabrik soll wieder zu einem Mittelpunkt werden. Und zwar möglichst in seinem alten Zustand. Fast alles steht hier unter Denkmalschutz. Und die NRW-Stiftung, die für die Sanierung 120 000 Euro bereit stellen will, legt Wert auf höchstmögliche Originalität. Kein leichtes Unterfangen. „Manchmal beißt sich die Katze in den Schwanz”, erzählt Theo Petera. Auf der einen Seite soll alles bleiben wie es war, auf der anderen Seite haben sich die technischen Anforderungen in einem Maße verändert, dass in dem gegebenen architektonischen Rahmen nur schwer saniert werden kann. Die Toiletten, zum Beispiel. Sie sind für heutige Ansprüche zu klein. Zudem können sie von Rollstuhlfahrern nicht genutzt werden. Bei einem der regelmäßigen Treffen schlug sie gestern Abend den Vorständen einen Anbau an der Rückseite vor. Probleme gibt es auch mit den nicht mehr zeitgemäßen Lüftungs- und Heizungsanlagen. Hier erfordert es die ganze Kreativität der Architektin, Lösungen zu finden, die den Eingriff in die historische Bausubstanz so gering wie möglich halten. Je mehr sie sich damit beschäftige, desto mehr Details entdecke sie, erzählt Birgit Hirsch. Wie die kleinen Aschenbecher aus Messing, in denen die „Herren” damals in den Pausen ihre Zigaretten ablegten. Wegen des Rauchverbotes haben sie heute keine Bedeutung mehr, gehören aber zwingend zum Ambiente des Theaters. Wie andere Accessoires, viele viele andere. Die meisten der 50-Jahre-Stücke haben mehr als nur Patina angesetzt, müssen aufwändig restauriert werden. Wie Hocker, Garderobe und Theke im Foyer. „Hier haben wir vom Förderverein die Möglichkeit, Eigenleistung zu bringen”, sagt Theodor Petera. Denn an die technischen Anlagen kommen nur Profis. Eigenleistung ist ein geflügeltes Wort. Noch fehlt viel Geld in der Kasse des Fördervereins. 120 000 kommen von der Stiftung, 100 000 von der Gemeinde, weitere Mittel stellt das Land zur Verfügung. Aber Petera ist zuversichtlich, dass das Geld zusammenkommt. Zum Beispiel durch den Kauf eines eigenen Sessels im Parkett. „Viele haben ihre Bereitschaft signalisiert, wollten aber genau wissen, was von der Stiftung kommt”, erklärt der Vorsitzende. Das Interesse in der Burbacher Bevölkerung am Heimhof-Theater sei groß. Auch beim Museumsfest am Wochenende sei er immer wieder darauf angesprochen worden. Jetzt gehe es darum, aus der Industrie Spenden zu bekommen. Denn gerade den zahlreichen international agierenden Burbacher Unternehmen biete das Theater ein Forum für Schulungen und andere Aktivitäten. Es gehe aber auch darum, das Theater mehr in das öffentliche Bewustsein zu rücken, meint Birgit Hirsch. Der Heimhof müsse wieder kulturelle Integrationsfunktion wie in der Vergangenheit haben. Deshalb denkt sie auch hier „um die Ecke”, zum Beispiel an eine Baustellenfeier. Denn: „Wir müssen die Menschen für das Heimhof-Theater begeistern!”
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