Mantrailing : "Der Hund ist der Chef"
Züschen. Einfach der sichtbaren Fährte hinterher - das ist nichts für die Hunde der Mantrailer-Gruppe Wittgenstein und Hochsauerland. Die WP sprach mit Mitglied Friedhelm Vogt aus Züschen über Spuren, freiwillige Opfer und Leistungsdruck.
Westfalenpost: Was ist Mantrailing?Friedhelm Vogt: Bei der klassischen Fährtenarbeit, dem Tracking, folgt der Hund der „Bodenverletzungsspur” wie aufgewühlter Erde oder zerqueschten Pflanzen von einer beliebigen Person. Gibt der Untergrund wie Teer keine Gerüche mehr ab, findet der Hund nichts. Beim Mantrailing folgt der Hund der Geruchsspur eines ganz bestimmten Menschen. Das ist eine sehr anspruchsvolle Suchdisziplin.
WP: Wie funktioniert das?Vogt: Anhand eines Kleidungsstücks oder eines Schlüsselbundes, die dem Hund „gezeigt” werden, verfolgt er auch über Kilometer die individuelle Spur dieses Menschen. Die Fährte kann je nach Wetterbedingungen mehrere Tage oder Wochen alt sein, sie kann durch Städte mit vielen anderen Spuren führen. Gut ausgebildete Mantrailer sind dazu in der Lage, sie können sogar frischere Spuren von älteren der gleichen Person unterscheiden und die Gehrichtung erkennen.
WP: Wie läuft das Training ab? Vogt: Das Traningsprogramm dauert zwei bis drei Jahre und die Trainingseinheiten zweimal pro Woche sind sehr vielgestaltig. Wir trainieren die Hunde in allen denkbaren Situationen und auf jedem Untergrund. Es werden verschieden alte Fährten gelegt und die gesuchte Person wartet am Ende der Spur. Der Hundeführer bekommt nur den Geruchsartikel und Information über den Abgangspunkt. Der Hund bekommt ein Suchgeschirr angelegt und erhält den Suchbefehl. Der Hundeführer folgt dem Hund an einer fünf bis zehn Meter langen Fährtenleine bis zum „Opfer”.
WP: Gibt es Schwerpunkte?Vogt: Beim Mantrailing ist es sehr wichtig, seinen Hund „lesen” zu können, denn Hunde kommunizieren mittels ihrer Körpersprache. Neben dem Motivationsaufbau ist das ein Trainingsschwerpunkt.
WP: Welche Zielgruppe wird angesprochen? Vogt: Wir suchen in aller erster Linie tierliebe Helfer, die auch als „Opfer” dringend benötigt werden. Wir können nicht immer mit bekannten Menschen arbeiten. Die Hunde würden später Schwierigkeiten haben, vermisste Fremdpersonen zu finden. Auch Hundeführer mit ihren Hunden sind willkommen.
WP: Welche Rasse ist geeignet?Vogt: Im Prinzip ist so ziemlich jede Hunderasse geeignet. Allerdings gibt es schon gewaltige Unterschiede: Jagdhunde, die über Jahrhunderte auf Nasenleistung gezüchtet wurden, sind im Vorteil. Ich führe einen Airedale Terrier, ein anerkannter Gebrauchs- und Jagdhund, der sich gut für die Fährtenarbeit eignet. Wir haben aber auch zwei Kleinterrier in der Gruppe, die mit viel Spaß dabei sind. Wichtig ist, dass der Hund gut sozialisiert ist auf Menschen und Artgenossen, Spaß am Arbeiten hat und sich gut motivieren lässt.
WP: Wo liegt der Unterschied zur „normalen” Hundeausbildung? Vogt: Beim Mantrailing gibt es keine Unterordnung, der Hund ist beim Trailen der „Chef”. Er entscheidet, wo die Spur verläuft. Selbstbewusstsein und weitgehend selbstständiges Arbeiten sind unbedingt erforderlich und werden im Training gefördert. Natürlich darf der Hund nicht aggressiv sein.
WP: Was haben Hund und Besitzer von dieser Ausbildung? Vogt: Es ist eine sinnvolle, spannende Beschäftigung für beide. Der Hund ist geistig und körperlich ausgelastet. Wenn sich das Such-Team eignet und eine Prüfung ablegt, kann es zum Real-Einsatz wie bei der Suche nach einer vermissten Person kommen. Oder man kann die Behörden unterstützen: Von Suchaufgaben für die Polizei bis zu Kapitalverbrechen.
WP: Muss jeder eine Prüfung ablegen? Vogt: Leistungsdruck gibt es bei uns nicht. Spaß mit der Gruppe und dem Hund sind wichtiger. Wer eine Prüfung ablegen möchte, um später den Behörden bei Sucheinsätze zu helfen, wird von der ganzen Gruppe unterstützt. Wer seinen Hund sinnvoll beschäftigen möchte ohne Prüfung, wird genauso unterstützt. Allerdings gibt es auch keine Pokale oder Urkunden.














