„Wir könnten damit durch NRW touren“
22.02.2012 | 19:25 Uhr 2012-02-22T19:25:00+0100
Werdohl. „Menschen verschiedener Kulturen zusammenbringen, auf der Bühne und im Publikum.“ So lautet das erklärte Ziel des neuen AG-Leiters an der Realschule, Murat Isboga. Seit etwa einem Monat bringt er 13 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe acht das Theaterspielen nahe.
„Wir machen Aufwärmübungen, Rollenspiele – und in der nächsten Woche gibt es die erste Leseprobe für die Rollenbesetzung“, erzählt Isboga. Zur Einstimmung zeigt er Videos von Aufführungen des Stückes, das sie gemeinsam einstudieren werden. Mit seiner Theatergruppe „Halber Apfel“ führt Isboga die Komödie „Stefanie integriert die Öztürks“ mittlerweile deutschlandweit auf.
Es geht es um die Geschichte einer türkischen Familie, die eine Wette verloren hat. Nun darf sie eine Woche lang nur Deutsch sprechen und muss sich von der Gewinnerin der Wette „integrieren“ lassen. Das birgt einiges an humoristischem Potenzial, vor allem weil sämtliche Klischees über Deutsche und Türken von den Darstellern verarbeitet werden.
Die Jugendlichen sind motiviert: „Wir könnten im Altersheim auftreten“, schlägt eine Schülerin vor, „die mögen das sicher“, bekräftigt eine andere. Und Isboga scherzt: „Wenn wir das hier drauf haben, können wir auch durch ganz NRW touren!“
Er plant, die Rollen so zu verteilen, dass die Stefanie von einem türkischen Mädchen, die türkischen Mutter hingegen von einem deutschen Mädchen gespielt wird. Unterstützung erhält Isboga von der Zehntklässlerin Görkem Kiraz, die auch in der Gruppe „Halber Apfel“ mitwirkt und daher im Gegensatz zu den meisten AG-Teilnehmern Bühnenerfahrung mitbringt.
Neben der Theaterarbeit möchte Isboga den Jugendlichen auch als Ansprechpartner in anderen Fragen zur Seite stehen. So spricht er mit ihnen über ihre Zukunftspläne, und wie sie diese verwirklichen können, „denn Theater ist ein Hobby, aber euer Beruf wird später das Wichtigste sein.“
Schulleiter Bernd Bunge schätzt an der AG, dass sie „auf spielerische Weise zur Sprachförderung“ beitrage.
Isboga sieht das Ganze etwas universeller: „Ich möchte die Schüler in dieser wichtigen Zeit begleiten.“ Dazu gehört für ihn auch, dass er im Rollenspiel Bewerbungsgespräche trainiert und mit der Gruppe analysiert. So hofft er sie fit zu machen für die Bühne des Lebens.

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