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Aus Syrien nach Werdohl

Warten auf die Zukunft

10.02.2012 | 22:22 Uhr
Warten auf die Zukunft
Yasir Sadi (24 Jahre als) ist Flüchtling aus Syrien lebt seit einem Jahr im Asylantenheim Osmecke in Werdohl

Werdohl.   Yasir Sadi (24) stammt aus Syrien. Seit über einem Jahr lebt er in Werdohl und blickt jeden Tag voller Sorge auf sein geplagtes Heimatland.

Die deutschen Worte wollen ihm noch nicht ganz so schnell über die Lippen wie er es gern hätte. So behilft sich Yasir Sadi mit Gesten, Zeichnungen, Umschreibungen, ab und zu streut er auch englische Begriffe ein. Der 24-jährige Syrer lebt seit über einem Jahr in Werdohl und blickt jeden Tag voller Sorge auf sein geplagtes Land.

Zwar liegen mehr als 600 km zwischen Sadis Heimatstadt Kamishli und der umkämpften Rebellenhochburg Homs, trotzdem fehlt es seiner Familie in Syrien momentan an Vielem: Öl zum Heizen, Strom, Nahrungsmittel.

Manchmal telefoniert der junge Mann mit seinen Angehörigen: „Sie haben extra eine türkische Sim-Karte gekauft“, sagt er, aus Angst vor Regierungsspitzeln.

Sadi erzählt schnell, aufgeregt, teilweise verworren sind seine Schilderungen der hochexplosiven Lage. Doch als studierter Religionswissenschaftler weiß er sie in fundierte geografische und historische Kenntnisse zu kleiden. Klar ist für ihn vor allem eines: „Assad muss weg!“ Er gebe sich wie ein Engel, sei aber im Inneren ein Teufel, meint Sadi mit düsterer Miene, um Sekunden später mit entwaffnendem Lächeln auf seine eigene Geschichte zurückzukommen.

Zur Flucht habe er sich schon vor Beginn der Proteste entschlossen. Ihm sei von Seiten der Regierung der Pass abgenommen worden, so dass er nach seinem Studium keine Stelle habe antreten können. Zunächst sei er daher als selbstständiger Dolmetscher für Touristen tätig gewesen, habe Kurdisch, Arabisch und Englisch übersetzt. Bis die Sache mit den Gedichten passiert sei... Gedichte, in denen es scheinbar um eine Frau ging. Nur eine Metapher für sein Land, sagt Sadi. Er habe die Regierung und insbesondere die Situation der kurdischen Bürger im Land heftig kritisiert. Daraufhin sei ihm offen mit Verhaftung gedroht worden. „Wir haben dort keine Grundrechte, keine Meinungsfreiheit, keine Rechtsprechung“, empört sich der junge Mann, „das Regime sagt, was richtig ist und was falsch“.

Als Kurde ohne Pass, immer in der Angst, wegen seiner regierungskritischen Texte eingesperrt zu werden, habe er für sich keine Zukunft gesehen.

„Ich hatte einen Traum von einem Europa“, beschreibt er seine Gedanken vor der Flucht, „in dem man Freiheiten hat und alles machen kann“. In Deutschland angekommen, durfte er zwar zu allem seine Meinung sagen, sich als Asylbewerber aber keineswegs so frei bewegen, wie er gehofft hatte. Er wollte die Sprache lernen, arbeiten, weiter studieren, doch die Bürokratie schob diesen Plänen zunächst einen Riegel vor.

Auf einen Deutschkurs hätte er als Asylbewerber eigentlich keinen Anspruch gehabt, doch seine Hartnäckigkeit verhalf ihm schließlich zu einer Chance. So konnte er in diesem Jahr erfolgreich einen Integrationskurs der VHS abschließen und bemühte sich seitdem um ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht und einen Studienplatz. Nun soll er einen Pass bekommen, gültig für drei Jahre, doch die Formalitäten dauern – und ohne Pass kein Studium.

Es fehlen Freunde und eine Perspektive

„Ich bin sehr traurig“ gesteht Sadi niedergeschlagen. „Ich hätte schon soviel machen können, seit ich in Deutschland bin, arbeiten, lernen – aber ich warte und bin einsam und rede mit meinem Spiegelbild.“ Er habe kaum Kontakte und wenig Anlass Deutsch zu sprechen – gelegentlich spiele er zwar Fußball, mache gemeinnützige Arbeit, doch „ich könnte soviel mehr“.

Gianna Schlosser

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