Vor dem Gerichtssaal flogen die Fetzen
10.07.2009 | 16:14 Uhr 2009-07-10T16:14:00+0200Werdohl/Altena. Zwei Werdohler saßen am Freitag auf der Anklagebank im Altenaer Amtsgericht: Sachbeschädigung, so die Anklage. Die Sache hätte vielleicht sogar mit der Einstellung des Verfahrens enden können – hätte.
Die Zeugin, eine Angestellte des Zirkus Payazzo, der im Oktober 2008 in Werdohl gastierte, war erst gar nicht erschienen. Zu gering war ihr die Aussicht auf Erfolg. Die beiden Übeltäter sollten drei der Spanngurte des Zirkuszelts durchgeschnitten haben. Der eine Werdohler hatte sich seine Verteidigungsstrategie auch schon zurechtgelegt.
Nur hatte er diese möglicherweise nicht mit seinem Kumpel abgesprochen. Dieser ließ überhaupt lange auf sich warten. Kurz vor Beginn der Verhandlung erschien er dann aber doch – allerdings offenkundig sturzbetrunken, was zu einer handfesten Auseinandersetzung der beiden vor dem Saal führte.
„Wir haben meinen Geburtstag im Wald nachgefeiert und dabei soviel getrunken, dass ich nicht mehr weiß, was alles passiert ist. Ich hatte mindestens zehn Flaschen Bier und eine Flasche Korn getrunken”, lautete die Schilderung des einen. Der Betrunkene beharrte darauf, dass die beiden am Tat-Tag zusammen waren – leugnen war also zwecklos.
„Vielleicht hat mein Kumpel aber auch gesagt, dass mein Taschenmesser stumpf ist. Da wollte ich ihm beweisen, dass es scharf ist und hab das an dem Spanngurt vorgeführt”, erholte sich das Gedächtnis aber dann doch. Richter Altmann nahm das zum Anlass, den einen freizusprechen. Ein Alkoholtest am Tat-Tag ergab 1,1 und 2 Promille. „Ich vertrag ja auch nichts”, räumte der Messerbesitzer ein. Fünf Minuten zuvor hatte er noch von einer halben Kiste Bier und einer Flasche Korn berichtet. „Ziemlich holperig, aber dennoch ein Geständnis”, so Richter Altmann, der eine Strafe von 30 Tagessätzen zu je sieben Euro verhängte.

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