Vom Invaliden zum Besitzer einer Firma
18.09.2008 | 18:02 Uhr 2008-09-18T18:02:00+0200
Die bewegende Geschichte der Familie Vossloh erzählt der Konzernbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Klein in der WR.
Eduard Vossloh, der spätere Firmengründer, musste preußischer Soldat werden und in den Krieg ziehen. Am 6. August 1870 wurde er in der Schlacht bei Wörth im Elsass verwundet. Zur Genesung kam er nach Hause. Seine Mutter pflegte ihn, aber die Beinverletzung heilte nur langsam. Später schrieb er: „Am 1. April 1872 tat ich die Krücken beiseite". Er arbeitete selbstständig als Schmied in der Werkstatt seines Stiefvaters, der 1865 gestorben war. Das königlich preußische Landwehrbezirkskommando Attendorn bescheinigte am 31. Januar 1873, dass der Invalide Eduard Vossloh als dauernd Ganzinvalide mit der Pension der Dreierklasse von 5 Talern und der Pensionszulage von 5 Talern monatlich anerkannt worden ist. Die Pension reichte gewiss nicht für den Unterhalt einer Familie. Dennoch heiratete er im Mai 1873 Klara Hengstenberg. 1875 ließ die Arbeit in der Schmiede nach.
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Eduard Vossloh nahm eine Schlosserstelle bei Brockhaus & Löwen in der Osterau an. Wassermassen eines Teiches verwüsteten jedoch nach einem Dammbruch seine Wohnung. Er kehrte mit seiner Familie wieder nach Werdohl zurück. Häufige Krankheiten, besonders eine Herzentzündung am Silvestertag 1879, die den Arzt veranlasste zu sagen, wenn er noch etwas zu ordnen hätte, solle er das tun, unterbrachen immer wieder Eduard Vosslohs Arbeit. Danach handelte er im Hause Neustadtstraße 6 mit Eisenwaren. Erst nach eineinhalb Jahren nahm er die Arbeit in seiner Werkstatt wieder auf. Er schreibt: „Ich fuhr fort, bis zum vierten Mal Lungenbluten eingetreten war und der Arzt mir sagte, wenn ich jetzt nicht den Schmiedehammer hinwerfen wollte, dann müsste ich sterben. Dann habe ich den Hammer fallen lassen und nichts mehr am Handwerk getan. Aber die Arbeit und der Absatz im Ladengeschäft waren nicht derart, dass ich mit meiner Familie davon leben konnte und ich müsste einsehen, dass wir zugrunde gingen”. Eduard Vossloh versuchte mit einem Gehilfen und einfachem Handwerkszeug Kleineisen, wie Haken und Ketten zu fabrizieren. Aber auch hierbei wurde nichts verdient. 1883, also vor 125 Jahren, bewarb er sich kühn bei der preußischen Eisenbahndirektion um einen Auftrag für Federringe - in England erfundene Teile, die unter den Kopf jener Schraube gelegt wurden, die die Eisenbahnschienen auf den Schwellen festhielten. Als Kriegsinvalide bekam Eduard Vossloh diesen Auftrag. Er ging zu Rudolf Kugel und bat ihn, ihm den benötigten Draht auf Kredit zu liefern. Der ließ sich die Kalkulation erläutern, meinte dann: „An Federringen müssen Sie ein schönes Geld verdienen", und lieferte ihm den Draht. Es mussten ein paar Arbeiter her. Als der Auftrag abgewickelt und von der Bahn bezahlt war, bekamen die Arbeiter ihren Lohn und Kugel das Geld für den Draht.

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