Volle Tierheime programmiert
25.01.2012 | 18:39 Uhr 2012-01-25T18:39:00+0100
Werdohl.Seit vergangenem Freitag bietet der Tierhändler Norbert Zajac in seiner Zoohandlung in Duisburg auch Hundewelpen an. Bereits seit Wochen protestieren Tierschützer dagegen. Die Welpen würden darunter leiden, dass sie auf diese Weise ausgestellt und verkauft würden, so das Argument der Protestler. Damit haben sie auch recht, meinen Hundeexperten aus Werdohl.
„Die Tierheime werden bald aus allen Nähten platzen“, prophezeit Saskia Czaikowski vom Tierschutzverein Werdohl-Neuenrade. Denn jemand, der seinen Hund in einem Großhandel erwerbe, habe wahrscheinlich wenig Ahnung vom Umgang mit den Vierbeinern und daher nicht das Zeug zum verantwortungsbewussten Halter. „Das ist ein Lustkauf. Man kauft Welpen wie ein Bonbon!“, sagt Czaikowski. Diese kleinen, niedlichen Welpen mit den großen braunen Augen ließen eben auch vergessen, dass man für einen Hund viele Jahre verantwortlich ist.
Erschwerend komme noch hinzu, erklärt Simone Schytrumpf, Vorsitzende des Werdohler Schäferhundevereins, dass die Welpen durch die Zeit im Verkaufszwinger bleibende Schäden davon trügen. Die könnten für die späteren Besitzer auch ein Grund sein, ihren wesensgestörten Hund abzugeben. „Das sind Babys, die brauchen Ruhe und eine feste Bezugsperson“, sagt die Schäferhunde-Expertin. Leute, die ständig an die Scheibe klopfen, verunsichern die Welpen. Wenn dann niemand da sei, der ihnen signalisiere, dass sie sich nicht fürchten müssten, könnten sich die Hunde in dieser wichtigen Prägephase nicht richtig entwickeln. Da reichten schon wenige Wochen im Geschäft aus, um irreparable Schäden zu verursachen.
Außerdem vermutet Saskia Czaikowski, dass die Welpen in Zajacs Geschäft viel zu jung verkauft würden. Umso länger könne man die kleinen Hunde im Sortiment behalten. Sind sie einmal ausgewachsen, so die Tierschützerin, seien die Hunde nur noch schwer zu verkaufen.
Großes Interesse an kleinen Hunden
„Wahrscheinlich wird sich Zajac auf Kleinrassen spezialisieren“, vermutet Simone Schytrumpf: Chihuahuas, Yorkshire-Terrier, Möpse, Australian Shepards und der Modehund Dackel.
Den gibt es dort schon ab 799 Euro. Schytrumpf: „Die Klientel für diese kleinen Hunde ist viel größer als für große Tiere.“ Denn Zwerghunde kann man auch in einer Mietwohnung halten, sie brauchen vermeintlich weniger Auslauf und Erziehung.
In der Verantwortung sehen Saskia Czaikowski und Simone Schytrumpf auch die Züchter, die das Duisburger Zoogeschäft beliefern. Norbert Zajac selbst gibt an, seine Hunde aus Privatzuchten zu beziehen. „Ein seriöser Züchter hat so etwas auch gar nicht nötig“, meint Schytrumpf.
Wer es ernst meint mit dem Wunsch nach einem Hund, der sollte, da sind sich beide Expertinnen aus Werdohl absolut einig, lieber einen seriösen Züchter suchen.
Oder sich mal im Tierheim umschauen. Bei beiden bekommen sie nicht nur einen Hund, sondern auch eine richtige Beratung. Sogar noch nach dem Kauf.

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