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Fachlehrer fehlen

Unterricht am Limit

19.08.2009 | 22:00 Uhr

Werdohl. Sieben neue Lehrer konnten Werdohler Schulen zum neuen Schuljahr begrüßen.

Sieben Lehrer, sieben Schulen: Bedarf gedeckt, könnte man meinen. Doch profitieren lediglich drei Schulen in Werdohl. Es herrscht weiter Fachlehrermangel, die Leiterinnen der Grundschulen betonen sogar deutlich: Wir fahren Unterricht am unteren zulässigen Limit.

Von einem regelrechten Personalnotstand spricht Spephanie Finke. Zwei Stellen sind an der Pestalozzischule unbesetzt, berichtet die kommissarische Leiterin. Auf eine seit August 2008 ausgeschrieben Stelle meldet sich bislang niemand. Das Schulamt bemühe sich zwar sehr, aber statt der pädagogisch sinnvollen fünf konnten nur vier Klassen für die insgesamt 73 Schüler mit erhöhtem Förderbedarf gebildet werden. „Die Kollegen arbeiten an ihrer Belastungsgrenze”, sagt Stephanie Finke. Sie steht wohl vor der schwierigsten Situation aller Werdohler Schulleiter.

„Der statistische Bedarf ist gedeckt”, sagt immerhin Christel Kringe. Die Leiterin der katholischen Grundschule konnte nach einer schulscharfen Ausschreibung mit Lisa Vormann eine neue Vollzeitkraft begrüßen, zudem ist Meike Hunstiger mit einer halben Stelle von der Werdohler Pestalozzischule an die Schulstraße versetzt worden. Die Stundentafel jedoch sehe nur den notwendigen Unterricht vor: Drei Kolleginnen an der Michaelschule befinden sie derzeit in Elternzeit.

Vor ähnlichen Problemen steht auch Sibille Boeddecker : „Die minimal vorgeschriebene Stundenzahl können wir in allen Fächern abdecken”, sagt die Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule Königsburg-Kleinhammer. Weil eine erkrankte Kollegin langfristiger ausfällt, durften immerhin zwei Lehrer ihr Kontingent um zehn Stunden aufstocken. Für eine Kollegin in Elternezit hofft Boeddecker auf eine kurzfristige Vertretung.

Das Ministerium lege die einfache Formel „1 Lehrer = 28 Unterrichtsstunden = 24 Schüler pro Klasse” zugrunde. Gerade an ihrer Schule mit einem großen Anteil ausländischer Schüler sei aber auch der Förderbedarf höher. Es werden kleinere Klassen gebildet; berücksichtigt im Stellenplan werde das nicht. So gibt es an der Königsburg auch eine Klasse „Gemeinsamer Unterricht” von Kindern mit normalem und mit erheblichem Förderbedarf.

Zwei neue Lehrer, eine Kollegin aus der Vertretungsreserve und eine halbe Stelle Mutterschutzvertretung: Kann sich Hedda Maxeiner glücklich schätzen? Nein, die Leiterin der Ev. Grundschule muss den Stundenplan ohne zwei erkrankte Kollegen gestalten, eine volle Kraft fehle ihr unterm Strich immer noch.

„Wir müssen jonglieren, um allen Anforderungen gerecht zu werden”, sagt Maxeiner: Sprachförderunterricht, Eingangstestverfahren für Erstklässler – die Vorgaben aus Düsseldorf seien nur mit äußerster Not umzusetzen. An Differenzierungen im Unterricht, an Team-Teaching von zwei Lehrern in den großen Klassen mit 29 Schülern „ist überhaupt nicht zu denken”.

„Auf der einen Seite müssen wir Qualitätssicherung ohne Ende leisten, andererseits sollen wir auf Seiteneinsteiger zurückgreifen”, kritisiert Maxeiner die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Die Problematik der Seiteneinsteiger kennen auch die weiterführenden Schulen zur genüge: „Die müssen auch qualifiziert sein”, betont Bernd Bunge. Der Realschulleiter hat eine Stelle für Deutsch ausschreiben dürfen, führt in dieser Woche noch Vorstellungsgespräche.

„Der Markt ist leergefegt”, bestätigt auch Gesamtschuldirektor Heinz Rohe. Es meldeten sich Ingenieure auf Mathematik-Stellen. „Doch Lehrer ist ein Ausbildungsberuf”, so Rohe. Zwar konnte die AEG vier Stellen neu besetzen, Spanisch, Latein oder Musik seien aber Mangelfächer wie eh und je. „Wir kürzen, auch wenn es nicht die Hauptfächer betrifft. Schade ist das trotzdem, denn die Nebenfächer finde ich genauso wichtig”, sagt Heinz Rohe. 

Marcus Land

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