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Schweigeminute

Um 12 Uhr wird es still in den Klassen

22.02.2012 | 19:23 Uhr
Um 12 Uhr wird es still in den Klassen
Der DGB und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände haben die Menschen in Deutschland zu einer Schweigeminute am Donnerstag aufgerufen. Die Deutschen Edelstahlwerke in Wehringhausen machen bei diesem Aufruf mit. Auszubildender Kemal Korkmaz: "Natürlich unterstützen wir diesen Aufruf bei den Deutschen Edelstahlwerken"

Werdohl.„Es ist gut, dass Betroffenheit geweckt wird“, sagt Thomas Lammers. Die Erich Kästner-Schule und ihr Leiter werden heute dem Aufruf von DGB und Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände folgen: Um 12 Uhr soll bundesweit der Opfer rechtsextremer Gewalttaten mit einer Schweigeminute gedacht werden.

Die Aktion findet zeitgleich mit dem zentralen Staatsakt der Verfassungsorgane des Bundes statt. Die Hauptschule wird es nicht bei einer reinen Gedenkminute für die bei einer Attentatsserie getöteten Kioskbesitzer überwiegend türkischer Herkunft belassen. „Ich habe die Kollegen gebeten, das in den Klassen zu thematisieren“, betont Lammers. Dabei würden die Lehrer je nach jüngerem oder älterem Jahrgang „mit Fingerspitzengefühl vorgehen“.

Weil normalerweise um 12 Uhr an der Kästner-Schule der Pausengong ertönt, wird es die Schule heute schon fünf Minuten früher gongen lassen und mit einer Durchsage der Schulleitung auf die Aktion hinweisen, „damit Stille in die Klassen kommt“, so Lammers.

Während sich zum Beispiel auch die Realschule an der Schweigeminute beteiligen wird, hat sich die kath. Grundschule dagegen entschieden. „Das können wir unseren Kindern noch nicht vermitteln“, begründete gestern Schulleiterin Christel Kringe.

Ein wenig erstaunlich schien hingegen, dass die eigentlichen Adressaten des Aufrufs, die Industrieunternehmen, sich zumindest in Werdohl bei dem Thema eher zugeknöpft zeigten. Die Firma Vossloh mochte überhaupt „keine Stellungnahme“ abgeben, die Firmen VDM, Stauff und Kracht verneinten eine Teilnahme. Aus einem Unternehmen wurde als möglicher Grund angegeben, dass der Aufruf die Firma möglicherweise erst sehr spät erreicht habe und Produktionsabläufe oft auch gar keine zeitliche Unterbrechung erlaubten. Bei der Vereinigten Sparkasse war der Aufruf offiziell gar nicht eingegangen.

Auf freiwilliger Basis können aber heute im Rathaus die Beschäftigten um 12 Uhr die Arbeit für eine Minute niederlegen und im Gedenken verharren. „Wir haben den Aufruf verbreitet und um Teilnahme gebeten“, teilte Regina Wildenburg aus der Rechtsabteilung mit. Man sei sich sicher, dass das Thema „eine große Rückendeckung in der Kollegenschaft findet.“ Die Flaggen würden auf halbmast gesetzt.

Sie persönlich werde, soweit möglich, auch mitmachen. Deutschland und seine Vergangenheit dürften nicht vergessen werden. Regina Wildenburg: „Die Formel: ;Wehret den Anfängen’ hatte nie mehr Gewicht als heutzutage.“

Marcus Land

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