Sebastian Niekrens verstärkt Drogenberatung
14.02.2012 | 20:25 Uhr 2012-02-14T20:25:00+0100
Werdohl.Offenes Lächeln, zurückhaltendes Auftreten, bedachte Wortwahl. Sebastian Niekrens wägt genau ab, bevor er antwortet. Das „richtige Maß“ müsse man finden, „zwischen der Rolle des Ansprechpartners und der Autoritätsperson“, sagt er über seinen Beruf.
Seit Anfang 2012 ist der 29-jährige studierte Sozialarbeiter als Drogenberater in Werdohl tätig. Er tritt damit in die Fußstapfen eines „Urgesteins“ der Drogenberatungsstelle (DROBS), Werner Mirbeth, der im vergangenen Jahr verstarb. Die Wahl sei auf Niekrens gefallen, weil dieser auch die anderen Standorte der DROBS kenne, so Geschäftsführer Stefan Tertel.
Ursprünglich aus dem Bereich der Altenpflege kommend, hatte Niekrens mit Mitte Zwanzig „nach einer neuen Orientierung“ gesucht, und angefangen zu studieren. Zeitgleich hatte er Praktika bei der DROBS absolviert und die Arbeit mit Drogensüchtigen und deren Angehörigen kennengelernt. Er merkte schnell, dass er genau das tun wollte: Beraten und helfen.
In Werdohl gehört sowohl „klassische Drogenberatung“, als auch die Organisation von Präventionsprojekten zu seinen Aufgaben.
So leitete er auch den sozialen Trainingskurs „Hart an der Grenze“, dessen Teilnahme Jugendliche, die erstmals wegen Drogen strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, vom Gericht als Auflage erhalten. „Dort sind vom Förderschüler bis zum Abiturienten alle sozialen Backgrounds vertreten“, sagt Niekrens, „allerdings sind fast alle Teilnehmer männlich.“
„Medizinische Versorgungslücke“
In Werdohl betreue er vor allem junge Cannabis- oder Speed-Konsumenten, sowie einige Substituierte, also ehemals Heroinabhängige, die nun mit einem Ersatzstoff versorgt werden. Leider gebe es vor Ort keine Praxis, die am Substitutionsprogramm beteiligt sei. „Eine medizinische Versorgungslücke“, empört sich auch Tertel. Dabei weise die DROBS seit Jahren auf diesen Missstand hin.
Sebastian Niekrens wird dennoch alles tun, um seinen Klienten auf dem langen Weg aus der Drogensucht beizustehen. Dabei sei er zwar stets um professionelle Distanz bemüht, doch nicht immer vor persönlicher Betroffenheit gefeit, „man ist schließlich keine Maschine“. In letzter Zeit erhält er verstärkt Anfragen zur Internetsucht, doch dafür ist die DROBS nicht zuständig. Tertel:„Der Bedarf ist da - und doch gibt es für diese Fälle keine adäquate Beratungsstelle im Märkischen Kreis.“

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