Kutsche hielt bei Sasse-Kuschert
11.03.2011 | 19:36 Uhr 2011-03-11T19:36:00+0100
Neuenrade-Blintrop.Als die Iserlohner Brauerei 1899 gegründet wurde, da floss in der „Schenkwirtschaft“ Sasse-Kuschert in Blintrop schon 50 Jahre Bier durch den Zapfhahn.
Zwölf Jahre später fanden sie zusammen, die Brauerei aus dem Grüner Tal in Iserlohn und das Lokal auf den Höhen zwischen Neuenrade und Balve – nun kann man auf eine 100-jährige Zusammenarbeit blicken, die am Sonntag (ab 11 Uhr) gefeiert wird.
Sonntag wird ab 11 Uhr
im Lokal gefeiert
Der Mann, der damals, in der Anfangszeit, 1850, hinter der Theke stand, hieß Sasse, Joannes Casparus Julius Sasse. Das war der Urgroßvater von Anton-Wilhelm Sasse, der Wirt, der im Jahr 2011 hinter der Theke steht – und sich am Sonntag nicht nur auf das 100. Jubiläum mit der Brauerei freut, sondern am Tag zuvor erst einmal seinen 70. Geburtstag feiert. Wenn man sich in diesen Tagen mit Anton Sasse unterhält, dann hat man allerdings das Gefühl, dass dieser Geburtstag ihm gar nicht so wichtig ist, eher schon die Geschichte der „Wirtschaft“ - und die Tradition dahinter.
Vier Generationen der Familie Sasse haben da oberhalb vom Dorf jetzt das Lokal geführt, nebenher haben sie alle Landwirtschaft betrieben, bis vor wenigen Jahren auch Anton Sasse. Gesundheitliche Gründe haben aber zuletzt dazu geführt, etwas kürzer zu treten. Mit dem Lokal machen sie das schon etwas länger, Sasse-Kuschert hat nicht mehr jeden Tag geöffnet, „...die Zeiten, dass die Leute vor der Theke in Zweierreihen standen, die sind doch inzwischen längst vorbei, Fernsehen und Computer haben das Freizeitverhalten völlig verändert“, bedauert Anton Sasse.
Und da geht automatisch wieder der Blick zurück, viele alte Bilder und Berichte hat Anton Sasse gesammelt, von Eltern und Großeltern übernommen. Da kann man nachvollziehen, wie das früher war, als neben Gastwirtschaft und Landwirtschaft auch noch ein Lebensmittelgeschäft betrieben wurde.
Bis 1912 hielt regelmäßig die Postkutsche hier, zuletzt am 31. März 1912, die regelte den Post- und Personenverkehr zwischen Hönnetal und Lennetal. Da steht 2012 bereits das nächste Jubiläum an, da soll nach 100 Jahren noch einmal eine Postkutsche von Menden nach Neuenrade fahren, auch zum 100. Jubiläum der Bahnstrecke.
Großer Sprung in der Geschichte: 1955 stieg Anton Sasse als 14-jähriger Junge in das Geschäft der Eltern ein, half in der Gastronomie und in der Landwirtschaft. Als der Vater Anton-Peter Sasse 1962 starb, führte zunächst die Mutter Bernardine das Lokal weiter, ehe sie dann den „Staffelstab“ an ihren Sohn übergab, der 1964 seine Helga geheiratet hatte.
„Ein solches Geschäft kann man gar nicht führen, wenn da nicht die richtige Frau an der Seite steht“, stellt Anton Sasse mit voller Überzeugung fest, er ist sich durchaus bewusst, das spürt man bei diesen Worten, welchen „Schatz“ er da an seiner Seite hat. „Sie mahnt mich zurzeit auch immer wieder, dass ich an meine Gesundheit denke“, so Sasse.
Mal eine Woche Urlaub in Bayern, eine Busreise zum Saisonabschluss, das gönnen sie sich heutzutage, doch für „ihre Gäste“, da sind Anton und Helga Sasse immer noch da. In erster Linie für Familienfeiern, Betriebsfeste oder andere Anlässe. Wie lange noch? Da kann Anton Sasse keine Aussage machen, sicher ist nur: eine 5. Generation ist zwar da, Anton-Ludgar Sasse, doch der 46-jährige Sohn hat sich einen technischen Beruf ausgesucht.
Auch Enkelkinder
gratulieren heute
Vielleicht sollte man sich über die Zukunft auch nicht zu viele Gedanken machen, was da ganz zeitnah passiert, steht allerdings fest: Am heutigen Samstag wird erst einmal der 70. Geburtstag von Anton Sasse gefeiert – mit dabei sind auch vier Enkelkinder, darunter Drillinge! – und am Sonntag die 100-jährige Zusammenarbeit mit der Iserlohner Brauerei – und hoffentlich vielen netten Gästen!

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