Firmennachfolge aus einem Guss
10.02.2012 | 22:27 Uhr 2012-02-10T22:27:00+0100
Werdohl.Die Nachfolge in Familienunternehmen bereitet den Firmeninhabern oft Kopfzerbrechen, wenn die Zeit für den Wechsel gekommen ist. Die Gebrüder Lohmann GmbH in Dresel hat eine Lösung gefunden, von der der Betrieb, der Standort und vor allem auch Ausbildungsplatzsuchende profitieren sollen.
Die beiden Gesellschafterfamilien Lohmann und Krins verkauften im August 2011 ihre Anteile an das Ehepaar Stephanie und Hans Rohdenburg aus Münster, die auf der Suche nach einem mittelständischen Produktionsbetrieb waren. Rolf Lohmann bleibt der Firma als Leiter Technik und Konstruktion erhalten.
„Es ging um uns den Erhalt des Standortes Werdohl, den Erhalt der Arbeitsplätze und darum, das Unternehmen in die Zukunft zu führen“, erzählt Hans Rohdenburg im Gespräch mit der WR. Aber auch gerade darum, die Traditionsgießerei, die im Jahr 600 Tonnen Aluminium in Form bringt, als Familienunternehmen weiterzuführen.
Gießereimechaniker: Heißer Job für Coole
Das bedeutet: kurze Wege und kurzer Draht in der Aluminiumgießerei mit ihren 75 Mitarbeitern. „Wir pflegen eine offenen Kommunikation und betrachten uns als Team“, sagt Hans Rohdenburg, der bereits 20 Jahre als Geschäftsführer national und international tätig war. Offene Kommunikation bedeutet bei Hans Rohdenburg: Die Tür zum Büro des Allein-Geschäftsführers steht im Grunde immer offen. „Heute mehr denn je sind die Werte des Familienunternehmens sehr wichtig“, findet der 51-Jährige: „Soziale Verantwortung, Einbinden der Mitarbeiter bei Zielfestlegungen und deren Umsetzung, für die Mitarbeiter nachvollziehbare Geschäftsplanung und Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Firma.“
Mit diesen Werten allein wäre der Standort aber nicht zu sichern. Daher hat das Ehepaar Rohdenburg in diesem Jahr große Pläne: Man will nicht nur den Vorjahresumsatz von acht Millionen Euro verstetigen, sondern auch 800 000 Euro investieren, unter anderem um Energie- und Zeiteffizienz im Unternehmen zu erhöhen. Auch das Thema Ausbildung soll wieder groß geschrieben werden
Das Unternehmen, das auf den Aluminium-Kokillenguss spezialisiert ist, liefert an rund 150 Kunden, vorwiegend aus dem Maschinenbausektor, maßgefertigte Bauteile. Es sind also Fachleute gefragt. Annoncen für drei Lehrstellen hat man geschaltet. Drei Viertel der Bewerber interessierten sich für den Beruf der Industriekaufleute und Industriemechaniker, der Gießereimechaniker fällt dagegen stark ab.
Hans Rohdenburg lacht und zeigt Verständnis: „Man mag es oder hasst es.“ Denn in der Gießerei herrsche tatsächlich eine Raumatmosphäre, die dem Bergbau nicht unähnlich ist. Die Arbeit ist körperlich hart. Dabei biete der Beruf des Gießereimechanikers ungeahnte Möglichkeiten: Seinen Meister könne man machen, die Übernahme- und spätere Aufstiegschance sei sehr gut. Aber Hans Rohdenburg ist Optimist, Mitarbeiter zu finden, die sein Familienunternehmen auch braucht: „Das ist ein heißer Job für coole Jungs!“

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