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Historie

Die Keimzelle von Ütterlingsen

10.02.2012 | 22:26 Uhr
Die Keimzelle von Ütterlingsen
Ütterlingsen 1927, Ütterlingser Hof (2. Haus v. li.)

Werdohl.Wenig beachtet stand bis 1966 ein altes Bauernhaus in der Eduardstraße. Es handelte sich um ein Bauwerk nach Art der westfälischen Hallenhäuser.

Menschen und Vieh lebten unter einem Dach, dazwischen eine große Deele, gepflastert in einem Fischgrätenmuster mit Steinen aus der Lenne. In seinen letzten Jahrzehnten diente der Bruchsteinbau ausschließlich als Wohnhaus.

In Werdohl ging man in den 1960er Jahren sträflich mit den Zeugnissen aus der Vergangenheit um. Vieles wurde abgerissen - somit auch der Ütterlingser Hof. Einzig eine Fotografie mit Blick vom Nordheller Weg auf die Siedlung Ütterlingsen im Jahr 1927 zeigt auch das alte Haus. Ein gutes Bild, das allein das Bruchsteinhaus zeigt, ist bisher allerdings nicht aufgetaucht, aber vielleicht existiert ein solches in irgendeinem Werdohler Haushalt.

Ganz offensichtlich handelt es sich bei dem alten Bauernhaus um den Ursprung des Ortsteiles Ütterlingsen. Dazu gibt es auch einige Fakten: Urkundlich ist ein Clemens to Uetterlings erwähnt, der 1540 Kalk zum Bau einer steinernen Brücke über die Lenne (Stadtbrücke) lieferte.

Heiko Beckmann, der als Kind und Jugendlicher in der Eduardstraße gleich gegenüber des alten Hauses wohnte, hat die Ütterlingser Geschichte untersucht und Auszüge aus seinen Arbeiten einst im Kirchenblatt der evangelischen Kirche veröffentlicht.

Er bezieht sich auf die Furth der Lenne, zu der gegenüber der Eduardstraße das Tal der Esmecke mündet. Durch dieses Tal führte einst vom Dösseln her ein Heerweg.

Die fränkischen Könige siedelten zwischen 919 und 1250 so genannte „Freie“ (verdiente Soldaten) an Furthen an, damit sie dort Wegezoll kassierten.

Heiko Beckmann geht davon aus, dass der Ütterlingser Hof aus dieser Zeit stammt womit er eines der ältesten Häuser in Werdohl, auf jeden Fall aber der Ursprung des Ortsteiles Ütterlingsen, gewesen sein könnte. Vor allem der Name „to Uetterlings“ deute darauf hin.

Das alte, aus Bruchsteinen mit Lehm und Stroh gemauerte Haus, war ursprünglich mit Stroh gedeckt. Eine breite Rundbogentür führte zu einer großen, gepflasterten Deele. Im hinteren Bereich gab es eine offene Feuerstelle. Links befand sich der Wohnbereich der Bauernfamilie mit mehreren Zimmern, rechts waren einst die Ställe für das Vieh.

Ein Bild könnte Licht in die Geschichte bringen

Wohl im 19. Jahrhundert (nicht ermittelt) wurde das Haus umgebaut und die Ställe wurden zu Wohnungen. Bis zum Abbruch 1966 wohnten vier Familien in dem Haus.

Wer ein Bild des alten Bauernhauses besitzt oder weiß, wo eines existiert, möge sich bitte bei der Redaktion der WR am Sand melden ( 9380-20). Für die weitere Aufarbeitung der sehr interessanten und auch für die Stadt Werdohl bedeutsamen Geschichte Ütterlingsens wäre das Bild sehr wichtig.

Die erste urkundliche Erwähnung Werdohls stammt aus dem Jahr 1101. Aus der Zeit bis 1200 stammt den Nachforschungen Heiko Beckmanns zufolge vermutlich auch der Ütterlingser Hof.

Gerhard W. Sonneborn

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