Deutscher Kuchen für Mexiko
13.08.2011 | 10:00 Uhr 2011-08-13T10:00:00+0200
Werdohl.Die Welt, andere Völker und Menschen, wollte Martina Neumann als junges Mädchen kennenlernen. Der Weg führte die 18-jährige Werdohlerin zunächst nach Israel und dann nach Mexiko. Dort fand sie ihr Glück. Aus dem Nichts schaffte sie sich mit Ideenreichtum, Fleiß und deutschen Kuchenrezepten eine Existenz.
Heute betreibt die inzwischen 50-jährige in der Ein-Millionen-Stadt Querato zusammen mit ihrem mexikanischen Ehemann Felix Gonzalez drei Cafés, eine Verkaufsfiliale für Backwaren und eine große Bäckerei. 82 Angestellte hat das Unternehmen. Das Ehepaar hat drei inzwischen erwachsene Kinder. Mit Ehemann, Tochter Ana und Sohn Sebastian weilt Martina derzeit bei Mutter Johanna.
„Ich gehe für drei Monate in ein Kibbuz nach Israel“, verkündete einst eine Freundin. „Da habe ich spontan gesagt, ich komme mit“, erzählt Martina Neumann. Sie waren die ersten Deutschen auf den Golan-Höhen. Aus den drei Monaten wurde ein Jahr. Danach kehrte sie nach Werdohl zurück. Eine schulische Ausbildung hatte sei mit dem Fachabitur abgeschlossen.
Nach dem Israeltrip jobte sie zunächst, nahm 1981 eine Stelle als Kindermädchen bei einer Familie in Mexiko-City an. Mit 350 Dollar in der Tasche machte sie sich auf in die fremde Welt, blieb aber nur drei Monate bei der Familie.
Sie fand eine Anstellung bei einer anderen deutsch-mexikanischen Familie, bildete sich weiter, lernte spanisch und gab im Goethe-Institut Deutschunterricht. Da kam die Idee, die ihr weiteres Leben bestimmen sollte. Sie backte Kuchen nach deutschen Rezepten und verkaufte sie an Studenten im Goethe-Institut.
Nach dem Erdbeben 1986 zog die Familie nach Querato, drei Autostunden nördlich von Mexiko-City entfernt. Zusammen mit der Frau eröffnete sie ein kleines Café und übernahm es nach kurzer Zeit allein.
Arbeit oft bis
tief in die Nacht
Nun war sie selbstständig. Ihre deutschen Kuchen und Torten neben mexikanischem Kleingebäck kamen gut an. Nicht nur bei den rund 300 deutschen Familien in der Stadt, sondern vor allem bei Mexikanern. Eis, Pralinen und Schokolade kamen hinzu. „Es gab viel Arbeit, oft bis tief in die Nacht“, erinnert Martina Neumann im Garten der Mutter trotzdem lachend an diese schwere Zeit. Man spürt: Diese Frau ist voller Ehrgeiz, Optimismus und Lebenslust.
Das Alleinsein war 1987 vorbei. Sie heiratete den Mexikaner Felix Gonzalez, einen Hotelangestellten. Beide bauten nun gemeinsam das Unternehmen aus. Vor drei Jahren wurde das dritte Café eröffnet.
Verbindungen zur Heimat gibt es in Mexiko auch. Es seien auch schon mal Werdohler dort gewesen. Sauerländische Firmen haben Niederlassungen in Querato. Das satte Grün der Wälder und Gärten begeistert die Familie alle paar Jahre bei den Besuchen in Werdohl. „Ich freue mich auch auf deutsche Erdbeeren, weißen Spargel und Kirschen. Die gibt es so in Mexiko nicht“, sagt Martina Neumann.
Bevor sie der Flieger wieder nach Mexiko bringt, erkunden die Mexikaner noch die sauerländer Umgebung, aber auch die Nord- und Ostsee.

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