CDU-Abgeordneter Exler: „Unternehmen verschenken Geld“
16.01.2012 | 18:31 Uhr 2012-01-16T18:31:00+0100
Werdohl.Nur wenige Unternehmen in Werdohl beantragen Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds und schaffen damit zusätzliche Ausbildungsplätze. „Die Unternehmen verschenken Geld“, sagt dazu der CDU-Landtagsabgeordnete Wolfgang Exler.
Exler hatte mit einer Kleinen Anfrage „EU-Fördermittel für den Märkischen Kreis“ vom NRW-Wirtschaftsministerium erfahren, wie viel Geld aus den Fördertöpfen der EU in die Region fließen. Der Europäische Sozialfonds (ESF) etwa unterstützt Firmen, die neue Ausbildungsplätze schaffen oder Berufsbildung im Betrieb ermöglichen. Für den Förderzeitraum 2007 bis 2013 finden sich in der vorgelegten Liste allerdings nur drei Werdohler Adressen, darunter die VHS Lennetal, die einen Bildungsscheck für berufliche Weiterbildung erhielt.
In den Augen von Wolfgang Exler ist die Zurückhaltung unverständlich, weil gerade der Märkische Kreis besonders unter der Wirtschaftskrise 2008 gelitten habe und mit Hilfe von Fördermitteln „auch zukünftig als Industrie- und Arbeitsplatzregion genügend Potenzial entwickeln“ könne.
Die Firma Witte Sondermaschinen hat mit dem Europäischen Sozialfonds gute Erfahrungen gemacht. Für eine Ausbildung im Verbund, bei der Auszubildender Daniel Witte ein Jahr lang gegen eine Gebühr eine Lehrwerkstatt besucht, erhält das mittelständische Unternehmen einen Zuschuss von 4500 Euro im Jahr.
Wenig Aufwand oder viel Bürokratie?
Es gebe zwar einige formale Voraussetzungen, damit der Antrag genehmigt werde, erläuterte gestern Ursula Teutenberg von der Firma Witte im Gespräch mit der WR: „Aber der Aufwand hält sich im Rahmen.“ Allerdings könnten ihrer Ansicht nach die Fördertöpfe bekannter gemacht werden. Die Firma sei durch einen Berater der Industrie- und Handelskammer Hagen auf den ESF aufmerksam gemacht worden. Ursula Teutenberg: „Woher soll man es wissen?!“
Zurückgezogen wegen zu großer bürokratischer Hürden hat dagegen Gabriela Wiese, die bis vor einigen Monaten in der Sandstraße einen Buchhaltungsservice betrieb, ihren Antrag auf eine Ausbildungsbeihilfe. Bei neugegründeten Kleinbetrieben, die dazu noch ausbilden wollen, solle man das Verfahren erleichtern, findet Gabriela Wiese. Es habe in ihrem Fall sehr hohe Anforderungen an Nachweise für die Mittelverwendung gegeben.
Für Wolfgang Exler gilt, jede Chance auf öffentliche Förderung zu nutzen. Die Unternehmen müssten heute „über Bedarf ausbilden, um Standortsicherung zu betreiben“. Erstmals gebe es im Märkischen Kreis zu wenig Bewerber für Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Daher müssten die Schüler mit guten Arbeitsplätzen für ihre Heimat begeistert werden. Die Fonds sollten auch dafür genutzt werden. Exler: „Die Zurückhaltung der Wirtschaft sollte aufhören.“

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