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Bilstein sagt Gespräche mit Betriebsrat ab

23.07.2010 | 19:39 Uhr
Bilstein sagt Gespräche mit Betriebsrat ab
Udo Boehme (Betriebsrat Werdohl), Gerold Vogel (Betriebsrat Oege), Guntram Schneider, Wolfgang Jörg und Michael Scheffler vor dem Werkstor.

Werdohl.Im Kampf um das Schicksal der Beschäftigten an den Standorten Werdohl und Hohenlimburg hat NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) die Betriebsräte von ThyssenKrupp Bilstein der Unterstützung der Landesregierung versichert.

Angesichts der „tiefen Verunsicherung“ der Mitarbeiter sei eine „dauerhafte Zukunftsperspektive“ unerlässlich. Deren Entwicklung zu „begleiten, auch durch den Einsatz bescheidener finanzieller Mittel“, sei die Landesregierung absolut gewillt und bereit, erklärte Schneider gestern im Gespräch mit beiden Betriebsräten in Hohenlimburg.

Für große Irritation hatte im Vorfeld das Verhalten der Geschäftsleitung gesorgt, die laut eigener Aussage aufgrund von „Problemen mit dem Hohenlimburger Betriebsrat“ die für Ende August angesetzten Gespräche mit dem Betriebsrat in Werdohl abgesagt hatte. Dies sei „ ein Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter“, stellte der Werdohler Betriebsratsvorsitzende Udo Böhme sichtlich ungehalten fest.

„Wie kann man Verhandlungen für gescheitert erklären, bevor überhaupt Gespräche aufgenommen wurden?“, fragte auch der Minister verständnislos. Ein solches Verhalten sei „kein gutes Beispiel für soziale Partnerschaft“.

Schneider forderte von der Geschäftsleitung „ein deutliches Wort zur Zukunft“ vor allem auch des Federnwerkes in Hohenlimburg. Ein nicht unwichtiger Appell - auch mit Blick auf die Lage der 108 Werdohler Beschäftigten, war jüngst doch angedacht, 13 von ihnen anzubieten, an diesen Standort zu wechseln.

„Wenn die Geschäftsleitung allerdings nicht mehr verhandeln will, brauchen wir uns auch nicht darüber zu unterhalten, wie viele aus Werdohl in Hohenlimburg unterkommen...“, merkte Böhme an.

Standorte mit hohem
Innovationspotenzial

Die Betriebsräte hätten sich als „äußerst kreativ“ erwiesen, betonte der Minister hinsichtlich ihrer „konstruktiven Vorschläge“. Nun sei es für ThyssenKrupp höchste Zeit, sich seiner „unternehmerischen Verantwortung zu stellen“. Angesichts des Engagements der Betriebsräte gehe er davon aus, dass sich „ein zukunftsfähiges Konzept“ finden lasse, „wenn ThyssenKrupp bereit ist, Stellung zu beziehen“.

„Es geht auch um die Zukunft der Region, denn was hier an Arbeitsplätzen verschwindet, wird nicht wieder neu entstehen“, so Schneider mit Blick darauf, dass „wir ein Industrieland sein wollen“.

Vor diesem Hintergrund sei es, so der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Scheffler, „fahrlässig“, Standorte mit hohem Innovationspotenzial zu opfern. „Wir werden mit allen Registern kämpfen, die uns zur Verfügung stehen“, so auch der Hagener MdL Wolfgang Jörg (SPD). „Es kann nicht sein, dass Belegschaft und Politik für das Gemeinwohl kämpfen - und das Unternehmen zieht sich zurück.“

Simone Mylonas

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