Zwei Scheingräber ausgehoben

Das „Zentrum für politische Schönheit“ hat ein Flüchtlingsgrab – hier am Kreisverkehr in Westenfeld – ausgehoben. Das Grab bzw. Holzkreuz  ist mittlerweile wieder verschwunden.
Das „Zentrum für politische Schönheit“ hat ein Flüchtlingsgrab – hier am Kreisverkehr in Westenfeld – ausgehoben. Das Grab bzw. Holzkreuz ist mittlerweile wieder verschwunden.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
„Zentrum für politische Schönheit“ holt letzte Ruhestätte der toten Flüchtlinge symbolisch auch nach Wattenscheid. „Wegschauen tötet“ steht auf Holzkreuzen

Es sind Gräber ohne Leichen. Denn die Toten kommen nicht bis nach Deutschland, geschweige denn in die Hellwegstadt. Die Menschen sind gescheitert auf ihrer Flucht nach Europa, ertrunken im Mittelmeer, gestorben vor oder auf der Grenze zur Freiheit.

Jetzt holt das „Zentrum für politische Schönheit“ die letzte Ruhestätte der toten Flüchtlinge aber zumindest symbolisch nach Deutschland – und auch nach Wattenscheid. So entstanden bereits zwei Scheingräber am Kreisverkehr Westenfelder Straße sowie am Ehrenmal, Bußmanns Weg/ Ecke Bahnhofstraße.

Wer die Gräber konkret „ausgehoben“ hatte, scheint unklar. Auf dem dazugehörigen Holzkreuz in Westenfeld hieß es jedoch: „Wegschauen tötet.“ Ein deutlicher Hinweis und damit ein Bezug auf das Projekt des „Zentrums für politische Schönheit“, das in Berlin angesiedelt ist.

Im Rahmen einer (Kunst-)Aktion zogen dort Ende Juni Tausende Demonstranten beim „Marsch der Entschlossenen“ vor den Bundestag, hoben mehr als 100 solcher Gräber aus – als Zeichen gegen die Flüchtlingspolitik, die dort gemacht wird. Doch auch „echte“ Beerdigungen führte das „Zentrum“ durch, holte dazu die menschlichen Überreste von Flüchtlingen nach Berlin, um sie in der Bundeshauptstadt zu bestatten.

Die Aktion brachte damit gezielt Realität und Fiktion durcheinander, ein zynisches Spiel, als Symbol für die Flüchtlingspolitik. „Europäische Mauertote werden in einem Akt politischer Schönheit in der Schaltzentrale des Abwehrkrieges würdig beerdigt“, heißt es dazu auf der Internetseite der Gruppe.

Nachahmer in anderen Städten des Ruhrgebiets – so in Dortmund oder Duisburg – hatte es bereits gegeben. Nun kamen die Toten, und damit die Aktion an sich, auch in der Alten Freiheit, in Bochum an.

Erstmals waren die Grabhügel Anfang der Woche aufgefallen. Inzwischen hat die Stadt das Grabimitat in Westenfeld allerdings wieder entfernen lassen. „Hier lag eine Verkehrsgefährdung vor“, begründet Stadtsprecher Thomas Sprenger die Beseitigung. Generell begrüße die Stadt aber grundsätzliches Engagement für Flüchtlinge.

Da jedoch auch an anderen Stellen im Stadtgebiet Gräber gemeldet worden seien, würde sich die Stadtverwaltung darüber freuen, mit den Aktivisten ins Gespräch zu kommen. „So könnten wir das Engagement kanalisieren und bündeln, einen gemeinsamen Weg finden.“

Das kommunale Integrationszentrum stehe als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Aktivisten müssten dabei nicht befürchten, für bisherige Gräber und ihre Beseitigung in Regress genommen zu werden. „Wir wollen verbinden und nicht spalten“, betont Sprenger. Schon gar nicht bei diesem so wichtigen Thema.