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Zu Gast bei Freunden

26.09.2008 | 17:35 Uhr

WAZ-Mitarbeiterin Helena Gußen wurde zum Fastenbrechen der Moslems in die Moschee eingeladen.Nach einem besonderen Abendessen tauchte sie an der Hardenbergstraße in eine andere Kultur ein

Die türkischen Gastgeber hatten für ein reichhaltiges Buffet gesorgt und erklärten den deutschen Gästen gerne ihre Spezialitäten. Foto: Gero Helm

Von Helena Gußen Auch wenn ich als "waschechte" Wattenscheiderin immer geglaubt habe, meine Heimatstadt ganz gut zu kennen, bin ich am Mittwoch an der Hardenbergstraße in eine fremde, aber sehr interessante Welt eingetaucht. Muslimische Freunde haben unsere Familie zum Fastenbrechen in die dortige Moschee eingeladen.

Da die Muslime während des Ramadan nach Sonnenaufgang nichts essen dürfen, ist das abendliche Fastenbrechen "wie eine kleine Party", vergleicht Yasemin Karapinar (20).

Begonnen hat der Abend damit, dass der Vorbeter die Gäste begrüßt hat. Durch Zitate aus dem Koran und der Bibel machte er dabei auf die vielen Parallen zwischen den beiden Religionen aufmerksam. So ist das aus dem Christentum bekannte Gebot der Nächstenliebe eine der fünf tragenden Säulen des Islams.

Danach gab es für die etwa 40 Gäste an einer langen Tafel in einem Vorraum der Moschee das Essen. "Normalerweise findet das Fastenbrechen zu Hause statt, aber jeder möchte auch einmal während des Ramadans mit seiner Familie und Freunden in der Moschee essen", berichtet Yasemins Vater Ersin Karapinar. Zuerst gab es Suppe, danach konnten alle an einem reichhaltigen Buffet wählen, worauf sie Appetit hatten. Neben Reis, gefüllten Weinblättern und Salaten gab es viele weitere türkische Spezialitäten. Den Abschluss bildeten Süßspeisen und ein Glas Tee.

Nach dem Essen zeigte uns Ersin Karapinar die Moschee. In einem großen Raum in der ersten Etage versammeln sich die Gläubigen zum Gebet. Die Funktion der Bänke in den christlichen Kirchen übernimmt dort ein Teppich, auf dem einzelne Reihen eingewebt sind. "Wenn wir beten, stehen oder sitzen wir nicht einfach, wir bewegen uns dabei, das ist fast wie Gymnastik", erklärt Ersin Karapinar und schmunzelt. "Normalerweise werden abends 13 Rekat (ein Rekat ist eine grundlegende Einheit des Gebets - Red.) gebetet. Während des Ramadan kommen noch 20 weitere dazu", erzählt seine Tochter.

Der Fastenmonat endet am kommenden Dienstag. Dann beginnt das dreitägige Zuckerfest. "Da geht man sich gegenseitig besuchen und die Kinder bekommen Geschenke", erzählt Yasemin. In der Türkei ist es so, dass man dann einfach bei jemandem anschellen kann und man sofort bewirtet wird, damit an dem großen Fest niemand alleine ist.

Als alle satt sind, versammeln sich die Muslime zum Gebet und für uns geht ein interessanter Abend zu Ende: Tesekkür ederim - vielen Dank!

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