Zapfenstreich nach 42 Jahren
07.03.2008 | 18:25 Uhr 2008-03-07T18:25:08+0100Wirtin Karin Hagenbruch schließt nächste Woche die Türen ihrer Gaststätte "Warsteiner Stuben" für immer.Das Ladenlokal am August-Bebel-Platz übernimmt ein Frisör
"Ein gutes Pils, das brauchte früher sieben Minuten", weiß Karin Hagenbruch. "Heute mit den modernen Zapfanlagen sind's nur noch vier - aber man muss das mit Samthandschuhen machen, damit es eine schöne Krone kriegt." Nach mehr als 40 Jahren wird am kommenden Freitag in den "Warsteiner Stuben" am August-Bebel-Platz das letzte von Karin Hagenbruch perfekt gezapfte Pils über den Tresen gehen - und die Wirtin zum allerletzten Mal die Kneipentür hinter sich abschließen.
"Irgendwann muss ja mal Schluss sein", nennt sie trocken den Grund - und fügt hinzu: "Abgesehen davon, dass ich jetzt 67 bin, kommt ja auch Mitte des Jahres das Rauchverbot - aber 80 Prozent meiner Gäste sind Raucher, und ich habe nicht die Möglichkeit, einen Raucherraum abzuteilen."
Einen Nachfolger hat Karin Hagenbruch nicht - in die Räume der "Warsteiner Stuben" wird ein Friseur ziehen. Und so muss mancher Wattenscheider künftig auf sein zweites Zuhause verzichten. "Ich habe ja noch Stammgäste der ersten Stunde hier", sagt die Wirtin. 1966 hat sie gemeinsam mit ihren Mann das Lokal übernommen, es nach seinem Tod vor 13 Jahren alleine weitergeführt: "Und wir haben noch heute von meinem Mann her das Renommee, dass es hier das beste gezapfte Pils in Wattenscheid gibt." Das gibt's auch zu Karneval stets im Glas, nicht im Pappbecher: "Ein bisschen Kultur sollte man schon beibehalten", sagt die 67-Jährige Wirtin.
Überhaupt hat Karin Hagenbruch immer darauf geachtet, dass das Publikum der "Warsteiner Stuben" ein gut-bürgerliches bleibt: "Man will ja nicht nur davon leben, man muss ja auch damit leben", sagt sie resolut. "Ich habe den Laden immer so geführt, dass ich auch Leute rausschmeißen konnte, die mir nicht passten. Wenn einer schon angetrunken reinkommt, der kriegt hier nix - deshalb hat's hier auch nie Schlägereien gegeben."
Schließlich habe sich in dem Lokal am August-Bebel-Platz auch "die ganze Elite von Wattenscheid" getroffen: "Ich habe hier einen Stammtisch mit Leuten, die in den 70er Jahren ihr Abi gemacht haben - die kommen heute noch: Doktoren, Pädagogen sind dabei." Und doch musste auch Karin Hagenbruch in den vergangenen Jahren einige Einbußen hinnehmen. "Heute ist es ja fast schon ein Luxus, in die Gaststätte zu gehen", sagt sie. "Man merkt schon, dass die Leute nicht mehr so viel rausgehen wie früher. Aber sagen Sie auch mal denen, die es nicht so dicke haben, dass sie bald 1,30 Euro für ein Bier zahlen sollen."
Dennoch: Den Gästen tut's Leid, dass Karin Hagenbruch endgültig aufhört. "Gestern sagte noch einer zu mir: Karin, du bist so ein richtiges Urgestein", erzählt die Wirtin und fügt hinzu: "Die Menschen, die lieben ja keine Veränderungen, und es gibt heute nicht mehr viele solcher Wirte wie früher."
Dass sie selbst trotz der langen Arbeitszeiten bis in die Nacht und einer Sechs-Tage-Woche so lange durchgehalten hat, schreibt Karin Hagenbruch ihrer ganz eigenen Philosophie zu: "Wenn ich hier durch die Tür gehe", sagt sie und deutet hinter sich, "dann ist das privat." Auch den Ruhetag habe sie stets zur Erholung genutzt: "Man sollte wirklich abschalten und nichts mitnehmen." Tut es Karin Hagenbruch nicht dennoch Leid endgültig aufzuhören? "Naja", sagt sie, "das ist schon immer mein Leben gewesen. Aber ich bleibe ja in der Stadt - und dann setze ich mich einfach woanders vor die Theke."
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Alle Leutchen werden Dich und Dein Local in
Wattenscheid sehr vermissen!
Wir wünschen Dir alles Gute in Deinem wohlverdienten Ruhestand.........
In Liebe, Fritz und Gitta