Zahl der Flüchtlinge stark gestiegen

Sehr gut besucht war die Info-Veranstaltung am Montagabend im Marienhof. Rechts im Bild erklärt Bezirkspolizist Frank Langkau.Foto:Gero Helm
Sehr gut besucht war die Info-Veranstaltung am Montagabend im Marienhof. Rechts im Bild erklärt Bezirkspolizist Frank Langkau.Foto:Gero Helm
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Rund 100 Bürger kamen zur Info-Veranstaltung in den Marienhof. Asylbewerber ziehen jetzt nach Günnigfeld. Amtsleiterin: „Zu wenig Sozialarbeiterstellen“

Gut und gerne 100 Bürger zog die Informationsveranstaltung zum Thema Flüchtlinge, die ab dem 1. März in das Haus Günnigfelder Straße 124 kommen, am Montagabend in den Marienhof, das Gemeindehaus der kath. Kirchengemeinde Herz Mariä. Ute Bogucki, Leiterin des Amtes für Soziales und Wohnen, Bezirksbürgermeister Manfred Molszich, die beiden Günnigfelder Pfarrer Christian Meier (ev.) und Elmar Linzner (kath.) sowie – für die Moderation – Barbara Wagner (Pfarrgemeinderätin), bildeten das Podium.

Städte am Ende der Nahrungskette

Zum Einstieg gab Ute Bogucki einen Zahlen-Überblick. So gab es 2011 in Bochum 300 Flüchtlinge, weitere folgten in 2012/2013. „Das war alles noch zu packen“, so die Amtsleiterin. 2015 sollten zunächst 900 Asylbewerber nach Bochum kommen, 300 seien jetzt (Stand 02/2015) schon da. Prognostiziert sind bis Jahresende 1700 Menschen. Die Zuweisung von Flüchtlingen in ein Bundesland bzw. in eine Kommune wird nach dem „Königsteiner Schlüssel“ (siehe Info-Kasten) berechnet. Bochum hat nach diesem Schlüssel 1,9 Prozent der Flüchtlinge, die NRW zugewiesen werden, aufzunehmen. Im Jahr 2014 waren es in NRW 35 000 Flüchtlinge. In diesem Jahr sollen es 47 000 sein.

Laut Bogucki, komme das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge), etwa bedingt durch den Krieg in und die Flucht aus Syrien, der Antragsflut schon nicht mehr nach. So kämen viele Menschen, ohne sich beim BAMF anmelden zu können. „Viele von ihnen kommen auch nach Bochum.“

Laut Bogucki reichen die Schulen für eine Unterbringung nicht mehr aus. Es sei zudem auch zu teuer, die Schulen entsprechend herzurichten. So greife die Stadt gern auf Privatleute zurück, die ihre Immobilie zur Miete anbieten. So wie das Haus an der Günnigfelder Straße. Bogucki: „Ein Immobilienmakler hat das Haus in einer Zwangsversteigerung gekauft, saniert und vermietet es jetzt an die Stadt. Wir sind gerade dabei, die Wohnungen mit Mobiliar, mit Betten und Schränken auszustatten.“ Über 17 Wohnungen insgesamt verfügt das Haus. „Wir wollen die Wohnungen passgenau vergeben. Wenn also eine Wohnung für eine fünf-köpfige Familie ideal ist, soll auch eine entsprechende Familie einziehen.“

Der Schlüssel der Sozialarbeiter im Verhältnis zu den Flüchtlingen sei nicht optimal, so Bogucki. Derzeit sei eine Fachkraft für 210 Menschen zuständig. Bogucki: „Die Zahl der Asylbewerber hat sich vervierfacht, wir haben aber nur drei Stellen zusätzlich bekommen.“ Sie strebe an, ein Verhältnis von einem Sozialarbeiter auf 75 Flüchtlinge zu erreichen.

Die Bürger fragten an, aus welchen Ländern die Flüchtlinge kommen. „Das weiß ich auch noch nicht genau“, so Ute Bogucki. Am Montag sind Menschen aus Afghanistan, Algerien, Nigeria, Serbien, Ghana, Ägypten, Syrien und dem Kosovo in der Turnhalle der Lewacker Schule untergebracht worden. Bogucki: „Die Unterbringung in einer Turnhalle ist nicht gut.“

Auf die Zuhörer-Frage der Gegenfinanzierung antwortete Bogucki, dass „ganz knapp ein Viertel der Summe gegenfinanziert ist durch Bund und Land.“ Und: „Das ist wenig.“ In anderen Bundesländern sei das anders. Die Amtsleiterin richtete in diesem Zusammenhang die Bitte an die Politiker, „sich für mehr Geld stark zu machen, um die Kommunen zu entlasten.“ Wörtlich: „Die Städte stehen am Ende der Nahrungskette.“