Wohngruppe wird neues Zuhause

Sabrine Köhler mit einem Kind in dessen Zimmer in der Wohngruppe für Kinder in Wattenscheid.
Sabrine Köhler mit einem Kind in dessen Zimmer in der Wohngruppe für Kinder in Wattenscheid.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Diakoniewerk Essen bietet im Karl-Schreiner-Haus an der Propst-Hellmich-Promenade ein Domizil für Kinder, die besser nicht bei den Eltern leben

Heimat finden, wo eigentlich nicht das Zuhause sein sollte. Familiäre Strukturen kennenlernen, wo die Eltern fehlen. Mit einer neuen Wohngruppe an der Propst-Hellmich-Promenade sorgt das Karl-Schreiner-Haus nun auch in der Hellwegstadt für Kinder, die über einen unbestimmten Zeitraum wohl besser ohne Mama und Papa leben, um Fuß fassen zu können.

Das Diakoniewerk Essen kaufte das Gebäude an der Ecke „An der Papenburg“ im Sommer vergangenen Jahres, sanierte es kontinuierlich. Rund 500 000 Euro flossen – auch durch Förderungen von Projektpartnern wie der „Glücksspirale“ – in Gebäude, Mobiliar und Ausstattung. Zum 1. März zogen jetzt die ersten Kinder ein.

„Wir haben hier perfekte Bedingungen vorgefunden. Die infrastrukturelle Lage ist ideal. Jetzt fehlen nur noch Kleinigkeiten wie Bilder, zudem soll der Garten sommertauglich gemacht werden. Dann feiern wir offiziell Eröffnung“, kündigt Gruppenleiterin Sabrina Köhler an. Die ausstehende Gestaltung der Wände beschränkt sich auf die Gruppen- oder Gemeinschaftsräume.

In den insgesamt neun Einzelzimmern haben die Kinder im Alter zwischen acht und 13 Jahren (Alter beim Einzug) hingegen freie Wahl, können vom Schalke-Poster bis zum Justin Bieber-Bild ihre persönlichen Interessen einbringen.

Sie sollen, müssen sich sogar wohlfühlen: „Das Essener Jugendamt weist die Unterbringung an. Normalerweise gehört die Rückführung zu den Zielen unserer Arbeit. In Wattenscheid werden aber Kinder leben, bei denen es langfristig kaum eine Perspektive für eine Rückkehr ins häusliche Umfeld gibt“, so Einrichtungsleiter Oliver Kleinert-Cordes. Gewalt, Vernachlässigung oder Kindeswohlgefährdung könnte in schlimmen Fällen zum Hintergrund der Mädchen und Jungen gehören. Fakt sei jedoch stets, dass „kein Kind umsonst in der Wohngruppe ist, weil die Eltern in der Regel nicht das bieten können, was ein Kind braucht.“

Die „Wohngruppe Wattenscheid“ stellt eine ganzheitliche, individuelle pädagogische Begleitung bereit. Die fünf Vollzeitkräfte – plus eine Hauswirtschaftskraft – sorgen dabei in Wechselschicht für eine 24-Stunden-Betreuung. „Die Bewältigung des Alltags, die Förderung sowie die Unterstützung bei der schulischen Entwicklung und die Erarbeitung tragfähiger Zukunftsperspektiven“ gehören zu den Leitsätzen der Arbeit im Karl-Schreiner-Haus. Und zwar über einen Zeitraum, der so lange andauert, bis die Jugendlichen auf eigenen Beinen stehen. Zur Not – leider auch – ohne ihre Eltern.