Wenn der Briefträger streikt

Ein Post-Mitarbeiter nimmt an einer Streikaktion teil und fährt (symbolisch) ein überladenes Postfahrrad.Foto:  DPA/Sven Hoppe
Ein Post-Mitarbeiter nimmt an einer Streikaktion teil und fährt (symbolisch) ein überladenes Postfahrrad.Foto: DPA/Sven Hoppe
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Was wir bereits wissen
Bürger beklagen, dass seit drei Wochen keine Sendungen mehr im Kasten liegen. Briefe und Pakete lagern am Zustellstützpunkt Hochstraße. Abholen geht nicht

Gähnende Leere im Briefkasten von Wolfgang Warnatsch an der Emilstraße: Der 62-Jährige, so teilt er der WAZ mit, habe seit dem 13. Juni keine Post mehr bekommen. Ähnliches haben Leser von der Lohackerstraße, aus Günnigfeld und auch aus Leithe mitgeteilt. Sie werden in Wattenscheid nicht die einzigen Bürger sein, die derzeit keine Zustellungen erhalten.

Mag es die einen Postkunden freuen, kommen doch auch keine ungeliebten Rechnungen, warten die anderen Haushalte vielleicht auf wichtige Sendungen. Aber die Chancen stehen schlecht, an seine Post heranzukommen. Eine Nachfrage bei Dieter Pietruck, Pressesprecher Deutsche Post/DHL in Düsseldorf, bringt zwar keine Post ins Haus, aber eine Erklärung.

80 Prozent wird geliefert

Die Post liegt im Zustellstützpunkt Wattenscheid an der Hochstraße. Diese ist vorher im Briefzentrum Dortmund maschinell sortiert und dann nach Wattenscheid gebracht worden. Laut Pietruck funktioniert die Vorsortierung so, dass der Zustellbote sämtliche Sendungen für seinen Bezirk gebündelt erhält. Er bzw. sie muss dann noch zu dicke Briefe sowie Zeitungen und Zeitschriften manuell beifügen. „Das können die Maschinen im Briefzentrum nicht“, so Sprecher Pietruck. Ist der Bote im Einsatz, also Beamter, bekommen die Bürger seines Bezirkes auch Post. Streikt der Zusteller, also Angestellter, muss der Kunde damit rechnen, dass er irgendwann viele Sendungen gleichzeitig erhält.

Wenn denn nun sämtliche Post gebündelt am Zustellstützpunkt an der Hochstraße liegt, könnte der Bürger, der dringend auf eine Sendungen erwartet, diese doch einfach dort abholen – möchte man meinen. Falsch gedacht, sagt Pietruck. „Logistisch und auch personell ist das im Zustellstützpunkt nicht zu stemmen, dass sich die Leute ihre Post dort abholen können.“ Also weiter warten.

Laut Berechnungen von Post/DHL bekommen durchschnittlich bundesweit 80 Prozent der Regionen ihre Post zugestellt. Pietruck erklärt, dass „wir dabei sind, bundesweit 29 400 Boten für die Zeit des Streiks zu ersetzen. Aber das ist schwer.“ Abhilfe wird versucht, durch Aushilfskräfte wie Studenten oder Hausfrauen zu schaffen. Gerade im Bereich der Zustellung sei dies allerdings kaum machbar. „Auch Führungskräfte und Verwaltungsmitarbeiter arbeiten jetzt an allen Fronten mit.“

Von den Streiks betroffen sind die Sortier- und die Brief- und Paketzentren – und damit die Zustellung. Konkret bestreikt werden Deutsche Post und DHL, nicht aber DHL-Express. So rät Pietruck, bei wichtigen Zustellungen DHL-Express als Alternative zu wählen. Er sagt, „wir versuchen alles, damit die Leute ihre Post bekommen. Aber das ist ein Kraftakt.“ Und: „Wir verstehen, dass die Kunden verärgert sind und bitten um Verständnis.“ Derzeit sei ein Ende des Streiks, der jetzt in der vierten Woche stattfindet, noch nicht in Sicht.

Die Post an der Hochstraße, so stellt es sich für den Beobachter dar, läuft völlig normal.