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Warten auf die Sprungturm-Freigabe

25.05.2012 | 18:36 Uhr
Warten auf die Sprungturm-Freigabe
Schon immer beliebt: der Sprungturm, hier eine historische Aufnahme von Alfred Winter.

Wattenscheid. Sonne satt, Luft 25, Wasser 23 Grad – ein Traumwetter zum Schwimmen. Detlef Teichmann und Friedhelm Pawelczak stehen am Beckenrand, trocknen sich ab. „Früher war hier im Südparkbad viel mehr los, als der Sprungturm noch geöffnet war. Das war die Attraktion. Die Tribüne rappelvoll, wenn der Zehner offen machte – tolles Gefühl. Für die besten Sprünge gab’s Applaus. Da sind wir früher auch runtergesprungen.“ Liegt schon ein paar Jahre zurück.

Jetzt blicken die beiden Badegäste, 60 und 57 Jahre alt, auf die Baustelle. Der Sprungturm steckt, fast in Christo-Manier, eingehüllt unter einer Bauplane. Auch im Sprungbecken sind die Handwerker noch akribisch bei der Arbeit.

Drei Jahre lang war der sanierungsbedürftige Zehn-Meter-Turm im Südpark-Freibad gesperrt. Seit Ende vergangenen Jahres lässt ihn die Stadt reparieren. Ungeduldig warten vor allem die jungen Badbesucher darauf, dass der Sprungturm endlich fertig wird. „Wir sind extra deswegen hier hingefahren, wussten gar nicht, dass er noch gesperrt ist. So was gibt’s sonst nirgends“, sind Lisa Koppka (21) und Justus Imhoff (22) enttäuscht. „Vom Zehner bin auch ich schon gesprungen. Eine Mutprobe.“ Die weniger Mutigen nahmen das 7,5-oder 5-Meter-Brett.

Wann die Bauarbeiten endlich abgeschlossen sind? So genau weiß das niemand. Anfang bis Mitte Juni, schätzt die Stadt. „Auf jeden Fall vor den Sommerferien“, heißt es. Die Turmsanierung gestaltete sich aufwendiger als gedacht, die Kosten explodierten. Zunächst war von 100 000 Euro die Rede. Jetzt liegt die Maßnahme schon bei 200 000 Euro. Die Beckensanierung nicht mit eingerechnet.

Das Freibad im Südpark, so lautet der Tenor unter den Badegästen, „ist eine einmalig gelegene Anlage, sehr sauber und gepflegt.“ Und hätte viel mehr Besucher verdient als derzeit der Fall. „Wenn der Sprungturm öffnet, dann lockt das viele Badegäste an“, ist sich Schwimmmeisterin Helga Tuchel-Stanossek sicher. Seit 15 Jahren arbeitet sie im Südparkbad, hat die turbulenten Turmzeiten erlebt. „Dann war es hier wirklich rappelvoll.“ Die Besucher kamen auch aus den Nachbarstädten.

Dass die Stadt aus Spargründen das Hallenfreibad im Südpark an einen Investor abgeben will, aber bislang noch keinen gefunden hat, das hat sich unter den meisten Badegästen herumgesprochen. Findet sich kein Geldgeber, droht die Schließung des Südparkbads, für das die Stadt derzeit einen jährlichen Betriebskostenzuschuss von 670 000 Euro aufbringen muss.

Auch über Möglichkeiten, wie ein Investor das Schwimmbad flott machen könnte, unterhalten sich die Gäste auf der großen Liegewiese. Und haben viele Vorschläge parat: Endlich wieder einen Nichtschwimmerbereich einrichten, die seit Jahren geschlossene Sauna öffnen, Fitness- und Wellnessangebote, eine Cafeteria, Umbau zum Spaßbad.

„Aber dann“, befürchten die beiden Stammgäste Detlef Teichmann und Friedhelm Pawelczak, „werden sicher auch schnell die Eintrittspreise steigen.“ Sie zahlen für die Halbjahreskarte gerade einmal 95 Euro. Und sind für das Geld fast täglich hier.

Ralf Drews



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