Wanderausstellung bekämpft Kinderarbeit

Gabriele Rebbe und Klaus-Jürgen Franke, AG Eine Welt Wattenscheid, im Foyer des Wattenscheider Rathauses auf, wo ab Donnerstag, 8. Januar, ein Teil der Ausstellung zum Thema Kinderarbeit zu sehen sein wird.
Gabriele Rebbe und Klaus-Jürgen Franke, AG Eine Welt Wattenscheid, im Foyer des Wattenscheider Rathauses auf, wo ab Donnerstag, 8. Januar, ein Teil der Ausstellung zum Thema Kinderarbeit zu sehen sein wird.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
Auf Initiative der AG Eine Welt ist ab Donnerstag eine informative Ausstellung zudem Thema an mehreren Orten in Wattenscheid zu sehen. Bewusster einkaufen. 2015 Thema „Hunger“ im Fokus.

Wattenscheid..  „Schuften statt Schule“ – ein verquerer Slogan, der weltweit brutale Realität für geschätzte 168 Millionen Kinder ist. Klaus-Jürgen Franke, Team der AG Eine Welt Wattenscheid, konkretisiert die nackten Zahlen: „Mehr als die Hälfte dieser Kinder müssen zudem unter ausbeuterischen, gesundheitsgefährdenden Bedingungen wie Sklaven arbeiten. Ohne Rücksicht auf Körper und Geist.“ Seit einem Jahr setzt sich die AG mit dem Weltladen in der Friedenskirche nunmehr für die Sensibilisierung des Themas „Kinderarbeit“ ein.

Neue Unterstützung erhalten die Aktiven ab Donnerstag durch eine Wanderausstellung des NRW-Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales. Verschiedene Einrichtungen und Verbände haben die Exponate zusammengestellt, die an mehreren Orten erstmals in Wattenscheid zu sehen sein werden. Im Rathaus, dort erfolgt die Ausstellungseröffnung, werden Beiträge von Misereor e.V in Kooperation mit dem Netzwerk Faire Metropole Ruhr stehen. Die Awo präsentiert Material der Paten indischer Kinder, die Liselotte- Rauner-Schule die Aktion Weißes Fließband sowie das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, der Weltladen der Friedenskirche Beiträge von TransFair.

„Leidenskreuz“ wird verabschiedet

Die Ausstellung löst gleichzeitig das „Leidenskreuz“ von Ludger Hinse ab, welches ein Jahr lang zu Gast im Weltladen war und schließt die Thematik „Kinderarbeit“ ab. Klaus-Jürgen Franke und Gabriele Rebbe ziehen Bilanz: „Die Betroffenheit der Menschen war groß, wenn ihnen Hinses Arbeit präsentiert wurde, die Wirkung jedoch leider nicht die gewünschte. Die Leute waren eher verschreckt, teils negativ berührt von der ungeschönten Wahrheit des Kreuzes.“ Beiden ist es ein Anliegen, das hiesige Konsumverhalten zu hinterfragen: „Wenn man Veränderungen herbeiführen möchte, darf man Kinderarbeit und fairen Handel nicht getrennt betrachten, sondern muss die Zusammenhänge sehen.“

Passive Spenden

Es sei auffällig, dass in Deutschland meist direkt gespendet wird, als dies passiv und nachhaltig durch geringfügig höhere Preise für fairgehandelte, hochwertige Produkte beim Einkauf zu tun. „Dabei ist der Faire Handel viel transparenter als die meisten Spenden-Organisationen. Kritisches wird öffentlich hinterfragt, das System ständig nachgebessert“, begründet Franke. Angesprochen sind nicht nur Einzelne, sondern im Speziellen auch Kommunen und Kirchen, „die ganz andere Einkaufsvolumen erreichen“. Deutschland rühme sich „als Spenden-Weltmeister, versucht damit jedoch lediglich Wunden zu heilen, die selbst herbeigeführt wurden“.

Man müsse Familien in betroffenen Gebieten echte Alternativen liefern, damit sie ihre Kinder nicht an Ausbeuterbetriebe, z.B. Kakaoplantagen, „verkaufen“ müssten. Dies funktioniere aber nur über den Schlüssel „gerechte Preise“.

Nach Abschluss der Ausstellung wird die Thematik des neuen Jahres „Hunger“ sein. Weitere Aktionen sollen folgen.