Das aktuelle Wetter Wattenscheid 13°C
Wattenscheid

Walken mit dem Doktor

29.08.2007 | 22:28 Uhr

Der Allgemeinmediziner Rolf Berndt ist in Sachen Sport und gesunder Ernährung in vorderster Reihe dabei. Sein Motto: Vorbeugen ist besser als heilen

Der schönste Erfolg ist es für ihn, wenn seine Patienten feststellen: Es funktioniert. Wenn sie auf einmal Spaß am Sport bekommen, die überflüssigen Kilos loswerden, ihren hohen Blutdruck runterkriegen und keine Medikamente mehr schlucken müssen. "Bei denen, die das schaffen, verändert sich der ganze Mensch, die ganze Persönlichkeit", sagt der Allgemeinmediziner Rolf Berndt und strahlt.

Der Arzt berät seine Patienten nach Feierabend gemeinsam mit seiner Frau Martina, einer Hebamme, zu gesunder Ernährung und geht jeden Samstag mit ihnen und der Nordic Walking-Trainerin Karin Matysiak auf Tour. "Kraft und Ausdauer für den Alltag" hat er diesen Kurs genannt.

Wie es dazu kam, dass sich der Facharzt für Allgemeinmedizin mit seinem Programm "Prävention statt Pillen" selbst in die erste Reihe stellte? "Seit zehn Jahren werde ich als Arzt tagein, tagaus mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen und Diabetes konfrontiert", sagt er. "Die Gründe dafür liegen im Wandel der Zeit und darin, wie wir mit unserem Körper umgehen." So würden sich viele seiner Patienten noch so ernähren, wie sie es von ihren Eltern in der Nachkriegszeit vorgelebt bekamen: Iss, was du kriegen kannst. Und die körperliche Bewegung bei der Arbeit falle heutzutage zunehmend weg. All das mache auf Dauer krank.

"Gesunde Ernährung", sagt der Doktor, "ist keine Frage des Wissens, sondern der Emotionen." Als Arzt habe er jahrelang gepredigt "Aber Sie wissen doch. . ." - geändert habe sich nichts. So hat er einen Weg gesucht, das Problem an der Wurzel zu packen. "Die Initialzündung für mich war ein junger Mann Mitte 20, der an seinem Übergewicht fast gestorben wäre: Er konnte vor lauter Fett nicht mehr laufen, wurde mit dem Taxi antransportiert."

Rolf Berndt hatte versucht, seinen Patienten über die Krankenkasse in ein Ernährungsprogramm zu bringen - und kam schließlich auf die Idee, ein eigenes Präventionsprogramm auf die Beine zu stellen. Gedacht, getan: "Als Arzt habe ich schließlich einen Vertrauensvorschuss bei meinen Patienten." So könne er auch jene motivieren, die so viele Risikofaktoren haben, dass sie sich an Sport gar nicht herantrauen.

Seit zwei Jahren läuft das von den Krankenkassen unterstützte Programm bereits, rund 200 Patienten haben sich zu gesunder Ernährung informieren und motivieren lassen, bis zu 50 nahmen allein im vergangenen Jahr an den Nordic Walking-Kursen teil. Mit Erfolg, wie Rolf Berndt versichert: "Bei jedem Einzelnen, der es geschafft hat sich zu motivieren, ist der Erfolg garantiert." Da gibt es zum Beispiel die über 70-Jährige, die auf einmal wieder mehr Freude am Leben habe - weil die Gelenke nicht mehr schmerzen und sie sich deutlich fitter fühlt. Oder den Diabetiker, bei dem Rolf Berndt schon nach kurzer Zeit die Tabletten absetzen konnte. "Das zu erleben, motiviert mich enorm."

Vorbeugen statt heilen - das sollte in seinem Beruf eigentlich noch mehr im Vordergrund stehen, sinniert Berndt. Seine Kollegen sehen das wohl ähnlich: "Manche schicken mir ganz bewusst Leute für das Programm." Um dafür noch mehr Menschen zu gewinnen - und um Kosten zu sparen - "müssten die Krankenkassen eigentlich jeden, der dabei mitmacht, ablichten und ihm ein Plakat widmen, auf dem steht: Leute, folgt ihm!"

Von Annette Wenzig

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1947231/create

Aktuelle Fotos und Videos
Abenteuerspielplatz
Bildgalerie
Modellprojekt
Rundgang im Thorpe Museum
Bildgalerie
Heimatmuseum
Salon Vio l’Art
Bildgalerie
Künstlergemeinschaft
Auf Streife
Bildgalerie
Mein Revier
Aus dem Ressort
DRK sucht Lebensretter
Blutspendetermine
Wer viermal im Jahr zur Blutspende geht, müsste sich pro Tag – rein rechnerisch – 39 Sekunden Zeit für die gute Tat nehmen. „Schneller kann man nicht zum Lebensretter werden“, sagt Hanne Beil, Blutspendebeauftragte des Rotkreuzverbandes in der Hellwegstadt und lädt zu den nächsten Terminen in die...
Warten auf die Sprungturm-Freigabe
Freizeit
Sonne satt, Luft 25, Wasser 23 Grad – ein Traumwetter zum Schwimmen. Detlef Teichmann und Friedhelm Pawelczak stehen am Beckenrand, trocknen sich ab. „Früher war hier im Südparkbad viel mehr los, als der Sprungturm noch geöffnet war. Das war die Attraktion. Die Tribüne rappelvoll, wenn der Zehner...