Vor 50 Jahren ist der erste Radarwagen der Polizei unterwegs
04.12.2009 | 14:13 Uhr 2009-12-04T14:13:00+0100
Vor 100 Jahren sind die Straßen in den Außenbezirken der Hellwegstadt oft noch nicht gepflastert. Die Anwohner leiden stark unter der Staubentwicklung, besonders wenn eines der neuartigen Automobile in forschem Tempo die Gemeinde passiert.
Der Gemeindevorstand einer benachbarten Gemeinde stört sich an dieser verkehrstechnischen Entwicklung. Deshalb wird eine ehrenamtliche Automobilkommission eingerichtet. Im Abstand von 1000 Metern werden Grenzsteine aufgestellt, um eine Geschwindigkeitsmessung zu erleichtern. Außerdem ist ein Vordruck entwickelt worden, in den nur noch die gemessenen Werte eingetragen werden müssen.
Im Herbst 1909 ist Kommerzienrat Wilhelm Baare mit seinem Automobil auf der Gemeindestraße unterwegs. Sein Chauffeur hat ihn vor der „Automobilfalle” gewarnt. So fährt er in gemäßigtem Tempo durch die Gemeinde – schließlich sind nach einer Provinzialverordnung nur 15 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften erlaubt.
Trotzdem erhält er ein Strafmandat – und zahlt nicht. Es kommt zum Prozess. In der Beweisaufnahme wird der Metzgermeister Banzer als Zeuge gehört. Er hat die Geschwindigkeitsmessung ehrenamtlich durchgeführt. Nach seinen Aufzeichnungen hat Baare die 1000 Meter zwischen den Grenzsteinen in 30 Sekunden zurückgelegt. Das entspricht einer stolzen Geschwindigkeit von 120 km pro Stunde.
Banzer ist glücklicher Besitzer einer Taschenuhr, die er auch zur Messung verwandt hat. Eine Uhr ohne Sekundenzeiger – wen wundert es, dass der Staatsanwalt einen Freispruch beantragt.
50 Jahre später ist die Geschwindigkeitsmessung verfeinert. Auch redet keiner mehr von einer Automobilfalle, nun ist es die „Radarfalle”. Im November 1959 bekommt die Polizei ihren ersten Radarwagen. Es ist einer von 17 Radarwagen für ganz Nordrhein-Westfalen, ein blauer VW-Bus, im Volksmund auch „Bulli” genannt. In seiner Front ist eine Radaranlage mit einem Elektronenblitz eingebaut. Das macht den Kastenwagen noch „bulliger”. Das Fahrzeug trägt das Kennzeichen BO - 3507 – oder zur Tarnung auch mal ein „ziviles” Nummernschild.
„Der neue Radarwagen als unbestechlicher Zeuge hat die Verkehrssünder mit Elektronenblitz und Kamera auf den Film gebannt. Es ergab laufende Filmmeter.” Und die WAZ fügt hinzu: „Sehr zur Freude der zahlreichen Wattenscheider Zuschauer, die den gut versteckten Kombibus umlagerten.” Schadenfreude war und ist ja bekanntlich die schönste Freude.
In geschlossenen Ortschaften wird nach den Beobachtungen der Polizei immer noch zu schnell gefahren. 65 und 70 km/h sind dabei keine Seltenheit. Es sind aber auch schon mal mehr als 100 Stundenkilometer, mit denen die Autofahrer geblitzt werden.
Die Entschuldigungen der Autofahrer für die festgestellten Tempoüberschreitung sind dabei immer ähnlich: Nichtbeachten des Tachometers wegen einer angeregten Unterhaltung mit anderen Wageninsassen, eilige Geschäftsfahrten und die vorübergehende Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit beim Überholen. Entschuldigungen, die auf die Geldbuße und deren Höhe keinen Einfluss haben. Für Temposünder wird es unsicherer auf Wattenscheids Straßen, die Verkehrssicherheit nimmt aber zu. Und das seit 50 Jahren.
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