Vom Gast zum Gastronom

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Wattenscheid.. „Leben und leben lassen“: Für Bernd Leier ist dieser Spruch nicht nur Lebensmotto, sondern auch Erfolgsgeheimnis. Denn er führt die „Eule“ bereits seit 1997, insgesamt blickt die Gaststätte sogar schon aufs 30-jährige Bestehen. Ein Grund zu feiern, auch wenn der Wirt damit noch ein bisschen warten will.

„Die Party kommt. Aber ich warte noch auf einen speziellen Gast“, kündigt Leier an. Bis dahin lässt er seine Gäste jedoch nicht auf dem Trockenen sitzen. Über das Jubiläumsjahr verteilt gestaltet er Aktionen im „Eulenspiegel“, lässt hier und da die Preise fallen.

Leier weiß, was seine Gäste schätzen. Schließlich war er selbst früher Stammgast in der „Eule“, hat den Laden seinerzeit von Werner Kempin übernommen. Und, weil es ihm so gut gefiel, auch kaum etwas verändert. „Ein bisschen modifiziert, aber den Charakter, die Tradition und das Flair konnte ich erhalten“, beschreibt er seine Investitionen ins Interieur. In der Tat hat die „Eule“ mit dem dunklen Holz ihren ganz eigenen Charme, ohne den die Gaststätte nicht mehr die gleiche wäre.

Verändert hat sich dagegen die Kneipen-Kultur. „Früher war um acht Uhr der Laden voll“, sagt Leier. Es sei mehr Wert auf Musik und Tanz gelegt worden, auch der Fußball zieht nicht mehr so wie gehabt. Schalke spielt schlecht, für Bochum interessiert sich niemand, 09 läuft eher selten im Fernsehen. Der sportliche Gassenhauer fehlt derzeit. „Trotzdem hat Sky die Preise fast verdoppelt“, betont Leier.

Aber er will nicht meckern. Dafür macht ihm der Job zu viel Spaß. „Ich konnte schließlich mein Hobby zum Beruf machen.“ Den Schritt hinter die Theke hat der Maschinenbautechniker nie bereut, obschon der Rollentausch anfangs schwer war. „Ich habe ohne Ende Lehrgeld bezahlt.“ Da er sein Dasein als Wirt „aktiv“ interpretiert, versucht, überall an den Tischen, bei den Gästen präsent zu sein, falle dazu oftmals gar nicht auf, wie viel Arbeit dahintersteckt. „Der Lange macht sich nicht kaputt“, hört er daher häufig. Doch der persönliche Draht sei ihm wichtig. Allerdings wäre auch der nichts Wert, wenn Leier kein gutes Team hinter sich wüsste. Als er im vergangenen Sommer aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste, sprangen Sohn Nick Otremba und Julia Hörter ein. Leier ist dafür mehr als dankbar.

Der 30. Geburtstag der „Eule“ sei kein Augenblick, zurückzuschauen, sondern nach vorne, meint Leier. So lange der Spaß bleibt, er sich auf jene Unterstützung verlassen kann, will er die „Eule“ nicht missen. Getreu dem Motto: „Leben und leben lassen.“