Viele Plätze, schöne Altstadt
17.12.2010 | 15:17 Uhr 2010-12-17T15:17:00+0100Wattenscheid.10. Juni 2005 – es geht nach Osteuropa. Wir wollen einfach nach Osten auf das Schwarze Meer zufahren und dann entscheiden, ob wir an seiner Küste nach Norden oder nach Süden weiter fahren.
Unser Bulli gleitet über die Landstraßen des Erzgebirges auf die tschechische Grenze zu. Am riesigen Grenzmarkt bieten vietnamesische Händler ihre Waren an. Auf den nächsten Kilometern werben kurzberockte junge Frauen frierend um Kundschaft. Hier auf der Höhe ist es vielleicht 9 Grad kalt. Die Strecke nach Prag selbst kennen wir von einer Städtereise her.
So lenkt Bulli an der tschechischen Hauptstadt diesmal vorbei und kommt gegen 19 Uhr nach Brno (Brünn). Wir spazieren durch das alte Brno mit seinen Kopfsteinpflastergassen, den schmucken Bürgerhäusern, die zumeist aus dem 19. Jahrhundert stammen. Viele junge Menschen sind unterwegs. In Höfen finden sich gemütliche gut besuchte Gaststätten, die Lust machen, eins von den leckeren tschechischen Bieren zu kosten. Bei einem musste es bleiben, schließlich soll es noch weiter gehen in die Slowakei.
Rhythmisch singt uns die Betonplattenautobahn nach Süden ihr Lied und führt uns an die slowakische Grenze. Eiskalt fährt uns der Schreck in die Glieder, als der tschechische Grenzer die Vignette an der Scheibe vermisst. Wir haben’s ehrlich nicht gewusst. Macht 80 € Bußgeld. Er macht uns zugleich auf die slowakische Vignette aufmerksam, die gibt es 20 Meter weiter.
Es geht parallel zur österreichischen Grenze nach Süden auf Bratislava (Pressburg), der Hauptstadt der Slowakei, zu. 35 km vorher weist uns ein Schild an der Autobahn auf einen Campingplatz hin. Das Piktogramm zählt Schwimmbad, Dusche, Restaurant auf. Aber seit der Entlassung aus staatlicher Regie hat sich nichts getan. Tisch und Stühle stehen bereits im Gras, der Bulli ist minutenschnell zum Heim geworden, als biertrunkene Männer uns bitten, ihr Spanferkel über dem offenen Feuer vor Tieren zu beschützen. Sie seien in 20 Minuten wieder zurück. Egal, dass die Jungs auch nach der dreifachen Zeit nicht wieder da sind, es ist gemütlich. Am Restaurant ist Hundeturnier, deshalb also die vielen Hunde; vor diesen Tieren haben wir das Spanferkel also beschützt.
Um 11 Uhr finden wir schon einen bewachten Parkplatz am Rande der historischen Altstadt Bratislavas. Nach zwei Milchkaffees sind wir gestärkt für all das Schöne in der Stadt. K&K, großzügige Plätze, Menschen mit Blumen in der Hand, Brautleute auf dem Weg zum Fototermin vor Altstadtkulisse, Touristen.
Der Westfalia Berlin trug seine beiden Besitzer durch ganz Europa. Das Ehepaar, das zum Kreis der Wattenscheider Käferfreunde gehört, erlebte dabei manches Abenteuer mit seinem vierrädrigen Freund. Rund 250 000 Kilometer hat der VW Bulli mittlerweile auf dem Buckel, doch er läuft und läuft und läuft...
Unsere Gastautoren waren tief beeindruckt davon, dass ihr rüstiger Oldtimer über Sprachgrenzen hinweg Brücken zu Menschen in fremden Ländern gebaut hat. Heute endet in der letzten Wochenend-Ausgabe 2010 die Bulli-Serie in der WAZ. „Wir wollen Danke sagen, dass die Leser unsere Reisen begleitet haben. Danke vor allem auch für die netten Gespräche über unsere, aber auch deren Reisen“, betonen Hermann Hülder und Angela Feller. Sie haben allerdings noch so viel Reise-Stoff, dass sie ein Buch schreiben könnten!
Es sind ja immer die gleichen Eigenheiten, die uns eine Stadt gemütlich erscheinen lassen. Wir Mitteleuropäer fühlen uns ja am meisten geborgen, wenn wir in Spitzweg-Idylle auf schmalen Pflasterstraßen wandeln, schließlich der Platz mit der Kirche und dem Markt sich auftut, Wirtshäuser zur Rast laden. Und als sei da ein gemeinsames Sehnen ins uns, finden wir diese Idyllen in ihren landestypischen Spielarten in vielen Ländern Europas. So kommt denn die Sehnsucht an ihr Ziel und doch dient der Unterschied der interessierten, forschenden Hinwendung.
Schön geschnitzte mobile Kioske aus Holz halten Souvenirs auf den Plätzen feil. Gusseiserne Gaslaternen, schöne Brunnen, frisch getünchte Häuser über den den Fußgängern vorbehaltenen Straßen. Überall Freisitze von Cafés, an deren Stil selbst die Fast-Food-Kette sich hält. Eine Kunstaktion stellt Kunststoff-Kühe, vielfältig in Bezug auf die Länder der Welt bemalt, aus. Am Ende der Altstadt schließlich die Donau. Um das letzte Blumenbeet ein Sternenkranz mit den Ländern der EU.
18:51
Es ist Schluss. Ich habe nicht mehr mit dieser frohen Botschaft gerechnet. Dann kann ich mein ABO ja zunächst fortbestehen lassen. Gibt es jetzt wieder Beiträge über Wattenscheid?