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Welthospiztag

Vertrauen am Anfang und am Ende

11.10.2013 | 18:26 Uhr
Vertrauen am Anfang und am Ende
Foto: Michael Winkelmann

Wattenscheid. „Ein gelungenes Leben heißt auch, in Würde zu sterben“, lautet das Motto am heutigen Welthospiztag. Doch oftmals ist genau das nicht möglich: Betroffene fühlen sich auf dem letzten Weg allein gelassen. Ältere Menschen haben immer häufiger keinen Kontakt mehr zu Verwandten. Wenn es Angehörige gibt, sind sie nur sehr selten dazu in der Lage, den Sterbenden an die Hand zu nehmen, ihn zu begleiten. Zu emotional, zu nah, ist die Bindung. In der Familie liegt das Schicksal.

„Bei uns ist das anders“, sagen Anke Schulz-Najda (50) und Annette Quast (53) unisono. Beide sind seit gut zwei Jahren ehrenamtlich für den Wattenscheider Hospizverein im Einsatz, haben sich dazu bereit erklärt, die Prinzipien der Einrichtung mit Leben zu füllen: Menschen sollen sich bis zuletzt geborgen fühlen, so lange wie möglich ihre Selbstständigkeit erhalten, nicht alleine sein, selbstbestimmt und in Würde den letzten Lebensabschnitt verbringen.

Begleitungen von langer Dauer

Wie das geht, ist unterschiedlich. „Ich habe vorab zwar einen ungefähren Plan im Kopf. Doch vor allem muss ich flexibel sein, mich von meinen Eindrücken leiten lassen“, sagt Quast. Genau wie Schulz-Najda übernimmt sie Langzeitbegleitungen, die je nach Krankheitsverlauf durchaus auch ein Jahr dauern können. Mal sehen sich Betreute und Betreuer einmal pro Woche, oder häufiger. „Gerade in kritischen Zeiten wollen wir näher am Patienten sein. Und weiter weg, wenn alles gut ist.“

Doch um in den Phasen, in denen eine intensivere Betreuung nötig ist, auch das Vertrauen zu besitzen, braucht es einen Entwicklungsprozess. Die Begleiter verlassen sich auf ihr Bauchgefühl. Das Ende ist klar. Der Weg dorthin könnte unterschiedlicher kaum sein. Die Ehrenamtler gehen auf persönliche, besondere Wünsche ein. Sei es, noch einmal ein Spiel der SG Wattenscheid 09 im Lohrheidestadion zu sehen oder schlicht einen Spaziergang zu unternehmen, ein Lied aus der Kindheit nochmals zu singen. Alles sei schon vorgekommen.

Während das Spiel läuft, öffnet sich der Mensch. Nicht in 90 Minuten, vielleicht eine Woche später. „Wir müssen mit allen Sinnen aufmerksam sein.“ Hören, was der Sterbende zu sagen hat. Mit ihm fühlen, aber nicht leiden. Schweigen. Oder Nachfragen. Die Umgehensweise mit den Bedürfnissen ist komplex. Nur nicht werten, sei oberstes Gebot. „Auch das unterscheidet uns von Verwandten“, betont Schulz-Najda.

Wozu dem Pfleger die Zeit fehlt, den Angehörigen die Kraft, der Mut, das Ende offen anzugehen, darin liegen die Stärken des ambulanten Hospizdienstes. Quast: „Die Patienten haben weniger Angst vor dem Tod als Angst vor dem Sterben.“ Die Einbindung ins Palliativnetz könne das körperliche Leid lindern. Doch bleibe das Gefühl der Ungewissheit, der Hilflosigkeit vor dem Moment der Zuspitzung. Mit den Begleitern können auch praktische Dinge, die Verwandte scheuen, besprochen werden, etwa welche Bestattungsform gewünscht wird. „Es ist wichtig, wissen zu dürfen, dass man stirbt.“ Und dass einem in diesem Augenblick die Hand hält.

Gesichertes Umfeld ist wichtig

Nicht immer ist eine Langzeitbegleitung auch tatsächlich eine. „In einer Woche kann viel passiert sein“, wissen die Ehrenamtlichen.

Daher achtet der Hospizverein – bei aller professionellen Distanz und unter Berücksichtigung der Philosophie, dass der Tod zum Leben dazu gehört – auf ein stabiles soziales Umfeld der Begleiter. Ihre Familie, ihr Partner sei zwangsläufig der erste Ansprechpartner nach akuten Fällen.

Christopher Becker

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2013-10-11 18:26
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