Veme-Linde wird zum Pflegefall

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Wattenscheid..  Das kulturhistorische Denkmal ist zum Pflegefall geworden. Doch scheinbar fühlt sich niemand zuständig für die Veme-Linde in Sevinghausen.

Zum Hintergrund: Wie Ehrhard Salewski vom Heimat- und Bürgerverein (HBV) schildert, hatte die Gerichtsbarkeit in Form der Freigerichte (Veme) im mittelalterlichen Wattenscheid eine erhebliche Bedeutung. Das Sondergericht sicherte den örtlichen Freibauern gemäß einer Verfügung von Kaiser Karl IV. ab 1371 den Schutz des inneren Friedens. „Ihre Vermögensverhältnisse und die Befreiung von grundherrlichen Abgaben und Diensten regte im Zusammenleben mit leibeigenen Bauern letztere häufig zu Delikten an, die eine gerichtliche Auseinandersetzung nach sich zogen.“

Schon vor dem Stadtgericht in Wattenscheid existierte neben dem Landgericht ein solches Vemegericht für die Freibauern. „Es gehörte zur Freigrafschaft Bochum und stand wahrscheinlich auf dem Areal um die evangelische Kirche am Alten Markt. Erst in späterer Zeit – vielleicht, nachdem die evangelische Kirche gebaut worden war – wurde der Standort gewechselt und nach Staleicken verlegt“, erklärt HBV-Vorsitzender Heinz-Werner Kessler.

Gericht, Galgen, Helfs Hof

Dort, in der Nähe des Heimatmuseums Helfs Hof, wo im Mittelalter Henkersmahlzeiten und Galgendienste erbracht werden mussten, steht heute die Veme-Linde, die auf den historischen Bezug hinweist. Vor 80 Jahren von der Stadt Wattenscheid gepflanzt, ersetzte diese Linde bereits einen Baum am Sevinghauser Weg, der bei einem Unwetter zuvor entwurzelt wurde. Pfingstunwetter „Ela“ hat an Ort und Stelle erneut für schwere Schäden gesorgt. Salewski: „Ein gewaltiger Ast hängt aus der Krone in die darunter gewachsene Grünanlage. Warum im Rahmen der umfangreichen Baumpflegearbeiten am Sevinghauser Weg, vom Grünflächenamt in Auftrag gegeben, dieses Geäst nicht mit entfernt wurde, bleibt mir ein Rätsel.“

„Besonders Fußgänger – auf dem Weg zum Heimatmuseum – sind gefährdet“, betont auch Klaus-Peter Hülder (UWG) in einer Anfrage, gestellt in der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung. Daher will er wissen, wann dieser Ast entfernt wird, „um damit Gefährdungen auszuschließen, den Baum zu retten und dem Baum ein seiner Bedeutung entsprechendes Aussehen zu geben?“ Eine Antwort seitens der Verwaltung steht aus.

„Es versteht sich doch von selbst, dass geschichtsträchtige Orte einer Stadt nur durch regelmäßige Pflege den nachfolgenden Generationen erhalten bleiben“, findet Salewski.