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Theater-Gäste flüchten aus eiskalter Stadthalle

07.02.2012 | 17:29 Uhr
Theater-Gäste flüchten aus eiskalter Stadthalle
„Wenn der Kuckuck dreimal ruft“, hier u.a. mit Christian Wolf und Patrick Wolf, Olivia Silhavy und Anja Kruse. Foto: Michael Korte

Wattenscheid. Frierend saßen die Besucher auf den Stühlen, andere verließen bibbernd und protestierend die Halle, einige Ensemble-Mitglieder dachten sogar ans Aufhören: Es war ein denkwürdiger Theaterabend in der Wattenscheider Stadthalle, in der Eiseskälte herrschte. „Wenn der Kuckuck dreimal ruft...“ lautete der Titel der Komödie – doch das Lachen war den rund 400 Gästen vergangen. Sind das die Folgen des städtischen Sparkurses? Das fragten sich die Besucher dieser beliebten Boulevardtheater-Reihe.

Die Stadthalle war eiskalt, die Heizung sorgte für keine behagliche Wärme. Es war so kalt, dass die Besucher ihre Mäntel aus der Garderobe holten und so angezogen auf den Stühlen saßen. Einige Gäste verließen wegen der Kälte noch vor der Pause protestierend den Saal. Selbst das Ensemble versuchte sich auf der Bühne notdürftig zu wärmen und zog Jacken über die Kostüme. Hauptdarstellerin Anja Kruse musste sogar mit Engelszungen dazu überredet werden, weiterzumachen.

Bekannte bauliche Mängel

„Da sind viele Dinge unglücklich zusammengekommen“, sagt Bernhard Szafranek, Leiter des Bochumer Kulturbüros, zur Ursachenforschung. Abends und tagsüber herrschten durch die drastische Kältewelle Temperaturen weit unter null Grad. Durch die Fenster und Türen zog es mächtig – das sind bekannte bauliche Mängel in der Stadthalle. Außerdem hätten beim Kulissenaufbau die Türen zu lange weit aufgestanden, so dass die Kälte in den Saal zog. Und nachmittags fährt die benachbarte Schule im Foyer die Heizung herunter, dadurch strahlte von dieser Seite keine ausreichende Wärme mehr in die Halle an der Saarlandstraße aus.

„Das kommt nicht wieder vor“, beteuert Bernhard Szafranek. Nach Rücksprache mit den Zentralen Diensten der Stadt werde die Heizung bei solchen Außentemperaturen höher eingestellt, die Foyerheizung soll dann nicht heruntergefahren werden.

Ob die Stadt Geld aufbringt, die zugigen Notausgänge zu sanieren, das erscheint angesichts der Finanzlage eher zweifelhaft. Die Theaterbesucher waren jedenfalls stinksauer. Bis zu 18 Euro hatten sie für ihren Sitzplatz bezahlt. „Wir überlegen ernsthaft, ob wir unter solchen Bedingungen unser Abo auch in der Spielzeit 2012/13 aufrechterhalten sollen“, so Brigitte und Manfred Fox.

Ralf Drews

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