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Steiger Lothar Wilker...

Tagschicht im Kindergarten an der Emilstraße

12.02.2010 | 17:17 Uhr

Wattenscheid. In berufsgerechter Kulisse haben die 18 Mädchen und Jungen aus dem Caritas-Kindergarten an der Emilstraße ihren Gast zur „Tagschicht” begrüßt. „Glück auf” steht auf einer Lore, die mal ein Bollerwagen war, das Schachtgerüst ist errichtet aus einer Leiter und einer Fahrradfelge.

Lothar Wilker (54), Steiger und vorzeitiger Ruheständler, war schwer beeindruckt – auch vom bergmännischen Fachwissen der Kinder, die mit ihrer Altersspanne von zwei bis sechs Jahren selbst vom Ausbildungsjahrgang eines Knappen noch meilenweit entfernt sind. Mina (4) erklärt: „Kohle braucht man, damit man im Winter den Ofen warm machen kann.” Dass die in einem Bleistift auch schreibtauglich ist, war den Kindern aber neu. Dafür haben sie bei einem Besuch auf der Zeche Zollern schon mal was von einem „Berggeist” gehört, die fünfjährige Helbst hat ihn als Kobold für das dicke „Bergmann-ABC”-Lexikon gemalt. Und „Geheimwege” gibt es in einer Kohlegrube, Steiger Wilker nennt sie Stollen. Er hat ein großes Stück „schwarzes Gold” mitgebracht und sich mit ein paar Fingern Staub ins Gesicht gemalt. Er berichtet aus seiner Zeit unter Tage auf Pütts von Bottrop bis Ahlen. Für die notwendigen Anschauungsutensilien haben die Eltern gesorgt und ihren Kindern Helm, Grubenlampe und Henkelmann mitgegeben. Sogar eine noch in Folie verpackte dicke Arbeitskluft im noch völlig jungfräulichen Weiß hat sich gefunden.

Gabriela Kowalski, Leiterin des Kindergartens, hat den ehemaligen Kumpel eingeladen. „Denn wir wollen uns im Kulturhauptstadtjahr damit beschäftigen, was unsere Heimat ausmacht”, erläutert sie. Dazu werde auch das Kapitel Zuwanderung gehören. Aber jetzt geht's erst noch um jede Menge Kohle. „Wir wollen mit den Kindern auch noch das Bergbaumuseum und die Zeche Knirps besuchen.”

Krater in der Nachbarschaft

Dass sich der frühere Bergbau samt seiner Schäden im Jahr 2000 nur ein paar Meter entfernt von ihrem Kindergarten an der Emilstraße mit dem „Krater” drastisch und zerstörerisch in Erinnerung gebracht hat, können die Kleinen nicht wissen. Da waren sie noch gar nicht geboren.

Rolf Schulte

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