Studenten befragen Bürger
12.02.2010 | 16:36 Uhr 2010-02-12T16:36:00+0100
Wattenscheid. Regelmäßige Gottesdienste finden in der evangelischen Kirche am Alten Markt schon seit längerer Zeit nicht mehr statt. Die Kirchengemeinde sucht derzeit nach einer neuen Nutzungsmöglichkeit für das denkmalgeschützte Gebäude und das Grundstück.
Diese Thematik wird jetzt auch wissenschaftlich behandelt: Geographie-Studenten der Ruhr-Universität Bochum führen dazu eine Bürger-Befragung durch. Was fehlt in der Wattenscheider Innenstadt? Wie könnte das Kirchengelände neu genutzt werden?
Die Studenten wollen Umnutzungkonzepte entwickeln, die nicht vorrangig vom Gebäude, sondern vom Umfeld der Kirche aus gedacht sind. Deshalb geben sie nun Passanten, Anwohnern und „Experten” Gelegenheit, ihre Meinung zur Wattenscheider Innenstadt zu äußern und Ideen zum Kirchengebäude zu benennen.
Auftakt der zweimonatigen Aktion war am Freitag. Immer zu den Wochenmarkt-Zeiten sind die insgesamt acht Studenten unterwegs, um den Bürgern auf den Zahn zu fühlen. Es geht um deren Meinung über das City-Angebot in den Bereichen Dienstleistungen, Einzelhandel, Gastronomie und Freizeit. Aus den persönlich empfundenen Defiziten heraus können die Befragten erklären, welche Nutzung sie sich für die Kirche vorstellen könnten. Elke Sellenmerten zum Beispiel hat schon einige Ideen: „Eine Begegnungsstätte, eine soziale oder kulturelle Einrichtung – auf jeden Fall etwas, um Leute in die Innenstadt zu ziehen und sie dadurch zu beleben.”
Für die Studenten sowie Dr. Astrid Seckelmann und Daniel Heinrich von der Fakultät Geowissenschaften ist die Alte Kirche kein Einzelfall: „Immer mehr Kirchengebäude müssen wegen sinkender Mitgliederzahlen und zurückgehender Kirchensteuereinnahmen von ihren Gemeinden für den Gottesdienstgebrauch geschlossen werden. Allein in Bochum sind es mittlerweile 14 katholische und drei evangelische Kirchen sowie zahlreiche Gemeindezentren.” Eine Umnutzung für andere Zwecke sei nicht einfach: „Entweder mangelt es an Ideen oder an Geld oder an der Zustimmung der Denkmalschutzbehörden oder der Träger.” Im Sommer sollen die Ergebnisse der Semesterarbeit vorliegen.
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