Straßenreinigung gibt Rätsel auf

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Wattenscheid..  Seit Fertigstellung der Ortsumgehung sei es ruhig geworden vor seiner Haustür. Kaum noch ein Auto will Stefan Stuka sehen, mal abgesehen von den Fahrzeugen der Anwohner, die noch die „kleine“ Osterfeldstraße am Rande Günnigfelds, kurz vor dem Kreisverkehr Richtung Hordel, nutzen.

Umso erstaunter nahm er da kürzlich die Jahresveranlagung für 2015 zur Kenntnis. Auf einmal soll Stuka höhere Grundbesitzabgaben zahlen. Denn zu den bislang abgeführten Geldern kommen noch Gebühren für die Straßenreinigung hinzu. Ein Ärgernis, findet der 68-jährige Ex-Opelaner, der seit 1980 dort lebt: „Wir haben die Straße immer selbst sauber gehalten. Obwohl jetzt kaum noch jemand hier vorbeifährt, will die Stadt nun reinigen lassen. Das verstehe ich nicht.“

Sogar zahlreiche Lkw hätten vormals – also in Zeiten, in denen es die Ortsumgehung noch nicht gab – diesen Weg gewählt, oft zur Mülldeponie. Dabei seien Ladungen nicht selten auf der Strecke geblieben. Dennoch hätten Stuka und seine Nachbarn ohne Weiteres in Eigenregie zum Besen gegriffen.

Er nennt Zahlen: 2014 zahlte Stuka 484,25 Euro pro Quartal. Für 2015 soll er 615, 77 Euro aufbringen. Davon entfallen auf die Straßenreinigung jährlich 427,72 Euro. Weniger Verkehr, weniger Aufwand im Rahmen der Straßen- und Gehwegreinigung, mehr Kosten: So betrachtet der Anwohner diese Gleichung, die für ihn schlichtweg nicht aufgehen mag. „Wir wurden darüber noch nicht einmal informiert“, klagt er außerdem.

Hintergrund der neuen Veranlagung ist laut Auskunft von Stadt-Pressesprecher Oliver Trappe eine „Präzisierung“ des Straßenverzeichnisses für einen Teil der Osterfeldstraße, die der Rat am 11. Dezember 2014 – nach vorheriger Anhörung der Bezirksvertretung Wattenscheid und der Fachausschüsse – vornahm. „Bisher war die Osterfeldstraße nur von Ostpreußenstraße bis Friedhofstraße im Straßenverzeichnis enthalten. Bei einer Überprüfung haben wir festgestellt, dass der weitere Verlauf der Osterfeldstraße gar nicht im Straßenverzeichnis erfasst war, obwohl dort zumindest einseitig ,eine im Zusammenhang bebaute Ortslage’ vorliegt. Und die Stichstraße von Hausnummer 60 bis 80 als Anhängsel zum Hauptstraßenzug war nicht aufgeführt“, begründet Trappe.

Zwischenzeitlich sei mit Anwohnern des Stichs aber gesprochen worden. Aufgrund des abweichenden Straßenausbaus gegenüber dem Hauptstraßenzug soll dem Rat zur nächsten Satzungsänderung – also Ende 2015 für 2016 – vorgeschlagen werden, den Stich in eine eigene Reinigungsklasse ohne Gehwegreinigung zu stufen. Die Gebührenersparnis beträgt dann, wie Trappe mitteilt, 4,40 Euro pro laufendem Front-Meter im Jahr, was wiederum 2,35 statt 6,75 Euro entspricht.