Stolpersteine gegen das Vergessen

Künstler Gunter Demnig (vorne 2.v.r.) mit Schülern und dem Schulleiter Martin Breuer.
Künstler Gunter Demnig (vorne 2.v.r.) mit Schülern und dem Schulleiter Martin Breuer.

Wattenscheid.. An die Einzelschicksale, Opfer des Naziterrors, soll das „Stol­per­stein-Pro­jekt“ erinnern, vom Köl­ner Künst­ler Gun­ter Dem­nig ins Le­ben ge­ru­fen. Jeder mit Messing überzogene und in den Bürgersteig vor der letzten Wohnung eingelassene Stein erinnert ganz kon­kret an ei­nen Men­schen, der durch die NS-Ge­walt­herr­schaft umkam. Sechs Stolpersteine kamen in Wattenscheid hinzu.

An der Sedanstraße 7 erinnert der Stolperstein an Friedrich Wessel, der am 7. Mai 1942 im KZ Buchenwald im Alter von 39 Jahren ermordet wurde. Jürgen Wenke hat intensiv über Wessels Leben und Tod recherchiert; die Patenschaft für den Stolperstein hat der Verein Rosa Strippe übernommen. „In Buchenwald war er einer von mehr als 600 bisher namentlich bekanten Männern, die dort als Homosexuelle interniert waren. Nur wenige haben überlebt“, erklärt Jürgen Wenke. „Wessel wurde als Homosexueller nach Paragraf 175 verfolgt , im Februar 1942 kam er ins KZ Buchenwald, wo er in der Strafkompanie schwerste Steinbrucharbeiten leisten musste.“ „Mit vier Schüssen auf der Flucht erschossen“, hieß es zynisch am 7. Mai 1942 im Lagerbericht. „Hinter dieser Formulierung verbarg sich in der Regel eine gängige Mordmethode der SS-Leute“, so Jürgen Wenke.

Drei weitere Stolpersteine verlegte Gun­ter Dem­nig an der Voedestraße 63. Schüler der Maria Sibylla Merian-Gesamtschule haben im Fach Gesellschaftslehre gemeinsam mit Lehrerin Andrea Kleffmann die intensiven Recherchen geleistet. Die Steine erinnern an das Schicksal der jüdischen Familie Kaufmann. Gerd, Albert und Irma Kaufmann wurden 1942 in das Ghetto Riga deportiert. Albert wurde 1944 im KZ Kaiserwald ermordet. Irma kam 1945 in Chinow ums Leben, Gerd 1945. Recherchen haben ergeben, dass eine Überlebende in Mexico-Stadt wohnt; Lehrerin Andrea Kleffmann möchte sie besuchen.

Zwei weitere Stolpersteine wurden an der Hüller Straße 2 verlegt. Sie erinnern an Isaak und Emma Salomon; das jüdische Ehepaar hatte früher ein Bekleidungsgeschäft am jetzigen August-Bebel-Platz. 1939 flüchteten sie vor den Nationalsozialisten nach Holland, wo sie aber von den Nazis festgenommen, deportiert und 1943 im KZ Sobibor umgebracht wurden. Auch dafür haben Merian-Gesamtschüler mit Lehrerin Monika Willkowski gemeinsam mit dem Stadtarchivar Andreas Halwer aufwendig die Biografie erforscht. Die Schule hat auch hier die Patenschaft übernommen. Kostenpunkt pro Stein: ca. 95 Euro.

In Wattenscheid finden sich bereits zahlreiche Stolpersteine des Kölner Künstlers, die er „als kleine Gedenktafeln zur Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit“ versteht.